Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz

, Volume 53, Issue 9, pp 925–938

Morbidität und Gesundheitsversorgung bei GKV- und PKV-Versicherten

Forschungsstand empirischer Studien

Authors

    • Institut für Gesundheitsökonomie und Management im GesundheitswesenHelmholtz Zentrum München
  • A. Mielck
    • Institut für Gesundheitsökonomie und Management im GesundheitswesenHelmholtz Zentrum München
Originalien und Übersichten

DOI: 10.1007/s00103-010-1119-7

Cite this article as:
Huber, J. & Mielck, A. Bundesgesundheitsbl. (2010) 53: 925. doi:10.1007/s00103-010-1119-7

Zusammenfassung

Hintergrund

In Deutschland wurde bisher nur selten explizit untersucht, ob es zwischen GKV- und PKV-Versicherten neben den sozioökonomischen Unterschieden auch Unterschiede in der Morbidität und gesundheitlichen Versorgung gibt. Zudem sind die hierzu vorhandenen Forschungsergebnisse sehr verstreut, und ein zusammenfassender Überblick liegt bisher noch nicht vor. Die folgende Arbeit will dazu beitragen, diese Lücke zu schließen. Zugleich sollen Empfehlungen für die künftige wissenschaftliche Analyse dieser Unterschiede zwischen GKV- und PKV-Versicherten abgeleitet werden.

Methoden

Zur Literatursuche wurden zunächst die Datenbanken Medline und PubMed verwendet. Da hier nur sehr wenige Studien gefunden werden konnten, erfolgte eine weiterführende Internet-Recherche bei verschiedenen deutschen Instituten, Verbänden und Stiftungen. Außerdem wurden die Quellenverzeichnisse aller eingeschlossenen Artikel nach weiteren geeigneten Publikationen durchsucht.

Ergebnisse

Insgesamt liefert die Literatursuche 18 empirische Arbeiten. Davon wurden nur vier Publikationen über die systematische Suche in den Literaturdatenbanken Medline und PubMed gefunden. Die Arbeiten weisen darauf hin, dass GKV-Versicherte zumeist kränker sind als PKV-Versicherte und häufiger zum praktischen Arzt oder zum Arzt für Allgemeinmedizin gehen. Hinweise auf eine mögliche Benachteiligung der GKV-Versicherten in der gesundheitlichen Versorgung zeigen sich bei innovativen, patentgeschützten Arzneimitteln, bei Organ-Transplantationen, bei der finanziellen Belastung durch Zuzahlungen, bei den Wartezeiten und beim Eingehen des Arztes auf den Patienten.

Schlussfolgerungen

In den meisten Studien konnte gezeigt werden, dass ein deutlicher Unterschied zwischen den GKV- und den PKV-Versicherten besteht, nicht nur beim Gesundheitszustand, sondern auch bei der gesundheitlichen Versorgung. Einige Studien weisen jedoch erhebliche methodische Schwächen auf. Benötigt werden mehr Arbeiten zu speziellen Altersgruppen (zum Beispiel Kinder), und mehr methodisch gut abgesicherte Analysen (zum Beispiel statistische Kontrolle von Faktoren wie Einkommen, feinere Unterscheidung der verschiedenen Versicherten-Gruppen). Bei allen Vergleichen zwischen GKV und PKV sind zudem systemimmanente Unterschiede zu berücksichtigen, wie zum Beispiel die unterschiedliche Verfügbarkeit von Daten zur gesundheitlichen Versorgung.

Schlüsselwörter

PKVGKVDeutschlandZugang zur gesundheitlichen VersorgungSystematischer Review

Morbidity and healthcare differences between insured in the statutory (“GKV”) and private health insurance (“PKV”) in Germany

Review of empirical studies

Abstract

Background

It has rarely been analyzed whether there are differences in Germany concerning morbidity and healthcare between insured by statutory health insurance (Gesetzliche Krankenversicherung, GKV) and insured by private health insurance (Private Krankenversicherung, PKV). In addition, the available studies are very scattered and no review has been published yet. The study presented here aims at closing this gap and at discussing recommendations for future analyses.

Methods

By searching for publications in the Medline and PubMed databanks, only a very few studies could be identified in this manner Thus, our search was extended to include a number of German institutes and organizations working in the field of public health and health systems research. In addition, we checked all references listed in the relevant publications.

Results

A total of 18 relevant publications could be identified; however, just four of them were found via Medline and PubMed. The empirical analyses show that the GKV insured are often less healthy than the PKV insured, and that they more often go to primary care physicians. A potential disadvantage of GKV insured concerning healthcare can be seen in regard to new, innovative drugs, organ transplantations, financial burden due to co-payments, waiting times, and communication between patient and physician.

Conclusion

Most studies show that there are large differences between GKV-insured and PKV-insured, concerning health status as well as healthcare. However, due to methodological weaknesses, some of these results are difficult to interpret. More studies focusing on specific age groups (e.g., children) are needed, and the methodological standard (e.g., statistical control for other factors such as income, distinction between different subgroups of insured) must also be raised. Finally, systematic differences between GKV and PKV should be considered in all analyses comparing these two schemes, such as differences in the availability of data concerning healthcare.

Keywords

Private health insuranceStatutory health insuranceGermany Access to healthcareSystematic review

Copyright information

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