Date: 06 May 2008

Die Qualität der Versorgungsangebote für adipöse Kinder und Jugendliche

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Zusammenfassung

Adipositasprävention und -behandlung bei Kindern und Jugendlichen sind eine zunehmend wichtige Versorgungsaufgabe. Das Universitätsklinikum Eppendorf (UKE, Hamburg) und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA, Köln) haben 2004–2005 eine bundesweite Bestandsaufnahme einschlägiger Angebote für Kinder und Jugendliche durchgeführt. Das Vorgehen war 2-stufig: In Stufe A (Screening) wurden die Versorgungszweige in Stichproben oder Gesamtbefragungen erfasst und mit Nonresponder- Nachbefragungen auf Repräsentativität kontrolliert. Der Fragebogen umfasste neben Einrichtungsmerkmalen 14 zusammenfassende Qualitätsmerkmale (rund 150 Items) aus den Leitlinien für die Adipositasversorgung von Kindern und Jugendlichen, ausgewählt von einer Expertengruppe der BZgA. Erfasst wurden 492 Angebote. Stufe B diente der Validierung. Aus Stufe A wurden nach einer Clusteranalyse 38 Angebote ausgewählt und mit dem Qualitätsinformationssystem QIP (Qualität in der Prävention) vertieft analysiert; das System war dazu expertengestützt um adipositasspezifische Kriterien ergänzt worden. Die Begutachtungen wurden in Zusammenarbeit mit wichtigen Fachgesellschaften durchgeführt. Die resultierende qualitätsbezogene Bestandsaufnahme und die Vergleiche von Einrichtungsarten sowie Versorgungsrahmen zeigten deutliche Qualitätsdefizite. Durchschnittlich hielten die Angebote nur 51,4 % der abgefragten Qualitätsmerkmale ein. Die Kosten der Angebote differierten erheblich und korrelierten nur mäßig mit deren Qualität. Etwa zwei Drittel der Ver- sorgung erfolgten ambulant, settingbezogene Angebote fehlten jedoch fast völlig. Zur Qualitätsentwicklung sind deshalb qualitätsbezogene Verzeichnisse der Behandlungsangebote und Programme, Unterstützung der Einrichtungen bei der gezielten Verbesserung ihrer Angebote, insbesondere im ambulanten Bereich, und die Neuentwicklung und Förderung von Settingprojekten zu empfehlen, all dies unterstützt von einer konsequenten nationalen Strategie der Verhältnisprävention, wie von der WHO vorgeschlagen.

Abstract

The Hamburg University Hospital (UKE), together with the German Federal Centre for Health Education (BZgA), conducted a nationwide screening of obesity-related care. The screening was composed of two stages: Firstly, a short questionnaire of 150 items was developed and validated by experts. It comprised 14 summary criteria, derived from obesity care guidelines. The most important aspects of the providers’ services were surveyed. This resulted in a description of intervention quality in 492 institutions or programs on a national level, controlled for representativity, and analyses of quality in specific institutional types. Secondly, a sample of 38 interventions was selected, using cluster analysis, and assessed in depth by means of the quality assurance system QIP (Quality in Prevention), extended to include obesity-related criteria from medical guidelines. The main results of the survey were as follows: Only 51.4 % of the guideline-based quality criteria were met by an average program. The costs of the various programs differed vastly but predicted the intervention quality only to a moderate degree. Two thirds of the programs were offered by outpatient care institutions. The screening documented that there was a lack of setting-related projects. On the basis of the findings, a registration system for projects and programs, based upon evidence-based quality criteria, is proposed. Furthermore, outpatient services and projects should be strengthened, and setting-based interventions should be developed, enhanced by a national strategy of obesity prevention on several policy levels, according to WHO recommendations.