Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz

, Volume 47, Issue 7, pp 698–704

Durch Trinkwasser übertragene parasitäre Zoonosen

Giardiasis und Cryptosporidiosis

Authors

    • Universität Bonn
    • Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Universität Bonn
  • V. Gornik
    • Universität Bonn
Leitthema: Zoonosen

DOI: 10.1007/s00103-004-0863-y

Cite this article as:
Exner, M. & Gornik, V. Bundesgesundheitsbl - Gesundheitsforsch - Gesundheitsschutz (2004) 47: 698. doi:10.1007/s00103-004-0863-y

Zusammenfassung

Die parasitären Zoonoseerreger Giardia lamblia und Cryptosporidium spp. gehören heute weltweit zu den bedeutendsten Erregern trinkwasserassoziierter Krankheitsausbrüche. Die Erreger werden fäkal-oral übertragen, wobei die Infektionsdosis in beiden Fällen sehr niedrig ist. Neben dem Kontakt zu erkrankten Personen oder Tieren stellen der Genuss von kontaminierten Lebensmitteln und Wasser weitere Übertragungswege dar. Die Erkrankung ist durch ein großes Spektrum gastrointestinaler Symptome gekennzeichnet. Die Prävalenzraten werden in den industrialisierten Ländern für die Giardiasis mit 2–5% und für die Cryptosporidiose mit 1–3% angegeben. Weltweit wurde zwischenzeitlich eine Vielzahl trinkwasserassoziierter Giardiasis- und Cryptosporidiosisausbrüche bekannt; 2001 wurde der erste Fall in Deutschland beschrieben. Giardia und Cryptosporidium werden regelmäßig in Oberflächenwässern und sporadisch in ungeschützten Grundwässern nachgewiesen. Ein trinkwasserbedingter Ausbruch mit Giardia lamblia wurde mittlerweile auch für Deutschland beschrieben. Die Nutzung dieser Wässer zur Trinkwassergewinnung stellt an die Technologie zur Wasseraufbereitung erhebliche Anforderungen, da bereits geringe Parasitenkonzentrationen mit der Gefahr trinkwasserassoziierter Ausbrüche einhergehen: Aufgrund der Desinfektionsmittelresistenz des Erregers sind zu seiner sicheren Eliminierung partikelabscheidende Verfahren erforderlich, die auch bei hohen Rohwasserbelastungen ein sicheres Endprodukt gewährleisten. Weiter gehende Präventions- und Kontrollmaßnahmen bilden die Einführung des in der Lebensmittelindustrie bewährten HACCP-Konzeptes, mit dem alle Stufen der Trinkwasserversorgung vom Einzugsgebiet über die Wasseraufbereitung bis zum Zapfhahn des Endverbrauchers systematisch erfasst werden sowie ein damit verbundenes Qualitätsmanagementsystem.

Schlüsselwörter

GiardiasisCryptosporidiosisAusbruchTrinkwasserWasseraufbereitung

Parasitic zoonoses transmitted by drinking water. Giardiasis and cryptosporidiosis

Abstract

Nowadays, the parasitic zoonose organisms Giardia lamblia und Cryptosporidium spp. are among the most relevant pathogens of drinking water-associated disease outbreaks. These pathogens are transmitted via a fecal-oral route; in both cases the dose of infection is low. Apart from person-to-person or animal-to-person transmissions, the consumption of contaminated food and water are further modes of transmission. The disease is mainly characterized by gastrointestinal symptoms. In industrialized countries, the prevalence rate of giardiasis is 2–5 % and of cryptosporidiosis 1–3%. Throughout the world, a large number of giardiasis and cryptosporidiosis outbreaks associated with drinking water were published; in 2001 the first case in Germany was identified. Giardia and Cryptosporidium are detected in surface water and sporadically in unprotected groundwater. Use of these waters for drinking water abstraction makes high demands on the technology of the treatment process: because of the disinfectant resistance of the parasites, safe elimination methods are needed, which even at high contamination levels of source water guarantee safe drinking water. Further measures for prevention and control are implementation of the HACCP concept, which includes the whole chain of procedures of drinking water supply from catchment via treatment to tap and a quality management system.

Keywords

GiardiasisCryptosporidiosisOutbreakDrinking waterWater treatment

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2004