, Volume 58, Issue 3, pp 293-300

Zeitverzögerungen beim morgendlichen OP-Beginn

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Zusammenfassung

Der verzögerte morgendliche Beginn der produktiven Tätigkeiten im OP führt zu einer unzureichenden Personalnutzung und Ressourcenausschöpfung dieses kostenintensiven Funktionsbereichs. Der Klinik für Anästhesiologie kommt bezüglich der rechtzeitigen Freigabe des Patienten für den chirurgischen Eingriff eine besondere Bedeutung zu. Hierbei muss stets abgewogen werden, dass ein zu früher Beginn der Anästhesieeinleitung zu einer vorzeitigen Freigabe des Patienten führt. Valide Daten bezüglich dieser komplexen Interaktion von Anästhesiezeiten und Ursachen sowie Auswirkungen eines verzögerten OP-Beginns sind in der Literatur kaum vorhanden. In dieser prospektiven Studie wurden 710 erste Positionen eines Universitätsklinikums auf die Häufigkeit von verzögerten Freigaben und deren Gründe sowie die Abhängigkeit von verzögerter Freigabe und zu früher Freigabe im Detail untersucht. Es fanden sich 27,5% verzögerte Freigaben zur ersten Position mit jeweils durchschnittlicher Verzögerung von 19,3±17,2 min. Anästhesieabhängige Faktoren wie komplexe Einleitungen mit schwierigen Katheteranlagen stellten häufige Gründe dar, aber auch anästhesieunabhängige Einflussfaktoren wie OP-Planumstellung und Patiententransporte führten zu relevanten Verzögerungen. Mithilfe eines Simulationsmodells konnte gezeigt werden, dass eine rechtzeitige Freigabe der ersten Position in allen Fällen nur möglich wäre, wenn der Beginn der Anästhesieeinleitung erheblich nach vorn verlegt werden würde. Dies würde zu einer deutlichen Zunahme der zu frühen Freigaben führen. Ein ausnahmslos rechtzeitiger OP-Start kann daher nicht als Zielvorgabe empfohlen werden.

Abstract

Delayed starts of operation room (OR) processes in the morning lead to suboptimal use of expensive OR personnel and resources. Therefore, the anaesthesiologist has to take care that anaesthesia preparation and induction are finished in time and the patients are ready for the surgical intervention according to the OR time schedule. However, if the anaesthesiologist starts too early, preincision waiting periods occur. The literature provides little data regarding the complex interaction of anaesthesia process times and delayed operation starts in the morning. In this prospective study 710 first operation positions in the morning were analyzed with respect to the incidence of and reasons for delayed finishing of anaesthesia induction and investigated the interaction of early and late finishing of anaesthesia induction. In 27.5% of anaesthesia inductions the preset time schedule was not reached and the average delay was 19.3±17.2 min. The main anaesthesia-dependent reasons for delays were complex anaesthesia inductions with difficult line placement. Also organizational difficulties such as changes in the OR case schedule and delayed patient transport were of major importance. The results of a simulation model showed that in 100% of the cases finishing anaesthesia induction in time would only be feasible if anaesthesia processes started much earlier. However, this would lead to a sharp increase in preincision waiting time with the patient being under anaesthesia but surgeons not ready to start, therefore having only a minor effect on surgical waiting time. Subsequently, on-time anaesthesia induction in all cases is not a reasonable target in OR management.

Joachim Unger und Martin Schuster sind gleichberechtigte Erstautoren der vorliegenden Arbeit.