coloproctology

, Volume 35, Issue 2, pp 151–158

Kolorektales Karzinom

Prävention und Früherkennung

Authors

    • Medizinische Klinik 1Klinikum Friedrichshafen
CME Zertifizierte Fortbildung

DOI: 10.1007/s00053-012-0329-x

Cite this article as:
Arnold, C. coloproctology (2013) 35: 151. doi:10.1007/s00053-012-0329-x

Zusammenfassung

Unter allen malignen Erkrankungen ist das Kolonkarzinom in Deutschland nach dem Bronchialkarzinom die zweithäufigste Todesursache. Der zeitliche Ablauf von der Entstehung eines Adenoms und Entwicklung zum Karzinom beträgt etwa 10–15 Jahre. In dieser Zeitspanne ist es möglich, die Vorstufen zum Karzinom durch geeignete Vorsorgeverfahren zu erkennen. Da die Karzinominzidenz in der asymptomatischen Bevölkerung ab dem 50. Lebensjahr ansteigt, werden in Deutschland seit 2002 von den Krankenkassen Vorsorgemaßnahmen übernommen, welche die Erkennung von Vorstufen oder Frühformen des Kolonkarzinoms ermöglichen. Der vorliegende Beitrag gibt einen Überblick über geeignete Maßnahmen zur Prävention und Früherkennung des kolorektalen Karzinoms.

Schlüsselwörter

StuhltestsSigmoidoskopieKoloskopieCT-KolonographieScreening

Colorectal cancer

Prevention and early recognition

Abstract

Colorectal cancer is the second most common cause of death from malignant diseases in Germany after lung cancer. The time lapse from the formation of an adenoma to development of a carcinoma is approximately 10-15 years. In this time period it is possible to recognize the preliminary stages prior to a carcinoma using appropriate screening procedures. Because the incidence of carcinoma in the asymptomatic population increases after 50 years of age, since 2002 screening measures have been introduced by the health insurance companies in Germany which allow recognition of preliminary stages or early forms of colorectal cancer. This article gives a review of suitable measures for prevention and early recognition of colorectal cancer.

Keywords

Fecal testsSigmoidoscopyColonoscopyColonography, computed tomographicScreening

Lernziele

Nach Lektüre dieses Beitrags:
  • haben Sie einen Überblick über die Häufigkeit kolorektaler Karzinomvorstufen und des kolorektalen Karzinoms (KRK) gewonnen.

  • sind Sie informiert über die Methoden der KRK-Vorsorge.

  • können Sie die verschiedenen Vorsorgemaßnahmen hinsichtlich ihrer Wertigkeit vergleichen.

  • kennen Sie die Effekte einer sorgfältig durchgeführten Koloskopie auf die KRK-Inzidenz und -Mortalität.

Einleitung

Das kolorektale Karzinom (KRK) geht mit einer hohen Mortalität einher. In den westlichen Industrieländern gehört es zu den häufigsten malignen Erkrankungen. Weltweit ist es mit > 600.000 Neuerkrankungen pro Jahr die dritthäufigste maligne Erkrankung. In Deutschland steht das kolorektale Karzinom für beide Geschlechter an zweiter Stelle. Nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) für das Jahr 2012 wird die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen hierzulande für Männer und Frauen zusammen auf knapp 70.000 geschätzt. Das KRK ist darüber hinaus sowohl unter Frauen als auch unter Männern die zweithäufigste Krebstodesursache. Deutschlandweit verstarben nach Daten des RKI 2008 etwa 27.000 Menschen an den Folgen eines KRK. Während die 5-Jahres-Prävalenz in den vergangenen 5 Jahren leicht anstieg, sank die Mortalität in den letzten Jahren dank der verbesserten Behandlungsmöglichkeiten bei fortgeschrittenen Tumorstadien leicht bzw. stieg nicht weiter an.
In Deutschland ist das kolorektale Karzinom bei beiden Geschlechtern die zweithäufigste Krebstodesursache
Das Lebenszeitrisiko, an einem KRK zu erkranken, beträgt 4–6 % und ist altersabhängig. Das KRK ist ein Tumor des höheren Lebensalters: Nach dem 50. Lebensjahr steigen die Inzidenz und die Mortalität des Tumors exponentiell an. Etwa 40–50 % der Betroffenen sterben innerhalb von 5 Jahren. Somit kommt der Primär- und Sekundärprävention des KRK eine besondere Bedeutung zu. Wichtig ist sie insbesondere für die rechtzeitige Diagnose und Entfernung von Frühformen des KRK, z. B. von Adenomen.
Das kolorektale Karzinom ist ein Tumor des höheren Lebensalters
Zum KRK-Screening bzw. zur Sekundärprävention stehen verschiedene Maßnahmen zur Verfügung, so etwa enzymatische oder immunologische Stuhltests auf okkultes Blut. Als Goldstandard der strukturellen Untersuchung des Kolons gilt die Koloskopie, in den USA ist inzwischen auch die Computertomographie(CT)-/Magnetresonanztomographie(MRT)-Kolonographie in der KRK-Vorsorge etabliert. Jede dieser Maßnahmen kann die KRK-Inzidenz und -Mortalität senken, vorausgesetzt, die Verfahren werden unter Einhaltung hoher qualitativer Standards eingesetzt und von den Patienten angenommen.
Als Goldstandard der strukturellen Untersuchung des Kolons gilt die Koloskopie

Früherkennung

Im Rahmen der Krebsfrüherkennung können gesetzlich krankenversicherte Personen im Alter von 50–54 Jahren jährlich einen Test auf okkultes Blut im Stuhl durchführen lassen. Ab einem Alter von 55 Jahren besteht Anspruch auf eine Koloskopie. Bei dieser Untersuchung kann eine Entfernung von Darmpolypen erfolgen, die sich potenziell zu bösartigen Tumoren entwickeln könnten. Ist der Befund unauffällig, besteht Anspruch auf eine Wiederholungskoloskopie nach 10 Jahren.
Ab einem Alter von 55 Jahren besteht Anspruch auf eine Koloskopie
Alternativ zur Koloskopie können Versicherte ab einem Alter von 55 Jahren alle 2 Jahre den o. g. Stuhltest durchführen lassen. Bei einem auffälligen Befund besteht ein Anspruch auf koloskopische Abklärung. Für Personen mit erhöhtem Erkrankungsrisiko liegen abweichende Empfehlungen vor, auf die in dieser Übersicht nicht eingegangen werden kann. Von besonderer Bedeutung ist hier die Familienanamnese.
Alternativ zur Koloskopie können Versicherte ab einem Alter von 55 Jahren alle 2 Jahre einen Stuhltest durchführen lassen
Prinzipiell muss die Früherkennung von Polypen oder Adenomen als Primärprävention des KRK bezeichnet werden. Zur Vereinfachung soll sie hier jedoch mit der Sekundärprävention, also der Früherkennung von KRK-Vorstufen und des KRK, zusammengefasst werden. Da sich die Karzinogenese vom Adenom zum Karzinom im Kolon über 10–15 Jahre erstreckt, ist es möglich, durch geeignete Screeningmaßnahmen und die endoskopische Entfernung von Vorstufen ein KRK zu verhindern oder zumindest in einem prognostisch noch günstigen Tumorstadium zu entdecken. Zur Darmkrebsfrüherkennung stehen heute wie oben erwähnt folgende Methoden zur Verfügung:
  • Stuhltest auf okkultes Blut [“fecal occult blood test“ (FOBT)],

  • immunologische Stuhltests [“fecal immunochemical test“ (FIT)],

  • enzymatischer Stuhltest,

  • molekularbiologische Stuhltests,

  • endoskopische Methoden (Koloskopie/Sigmoidoskopie) und

  • radiologische Methoden (CT/MRT-Kolonographie).

Die Karzinogenese vom Adenom zum Karzinom erstreckt sich im Kolon über 10–15 Jahre

Stuhltest auf okkultes Blut

Der FOBT basiert auf dem Nachweis von Hämoglobin im Stuhl. Ein mit Guajakharz imprägniertes Filterpapier färbt sich nach Kontakt mit Hämoglobin im Stuhl und Zugabe von Wasserstoffperoxid blau. Grundlage ist die Beobachtung, dass Kolonneoplasien (Adenome und Karzinome) intermittierend bluten und in der Folge Hämoglobin im Stuhl erscheint. In der Vorsorge sollten 3 Stuhlproben an 3 aufeinanderfolgenden Tagen untersucht werden.

Der FOBT ist sehr fehleranfällig, ein Störfaktor ist beispielsweise der Genuss von rotem Fleisch. Daher besitzt der Test eine nur mäßige Sensitivität von 25–50 % und Spezifität von 90 % [1, 2, 3]. Insgesamt kann mit dem FOBT die KRK-Mortalität über einen Zeitraum von 10–13 Jahren um 15–33 % gesenkt werden. In den Richtlinien zur Darmkrebsfrüherkennung steht der FOBT optional zur Koloskopie ab dem 50. Lebensjahr jährlich oder ab dem 55. Lebensjahr alle 2 Jahre zur Verfügung.
Die Sensitivität des Stuhltests auf okkultes Blut ist nur mäßig

Immunologische Stuhltests

Der FIT ist ein neuerer Test auf okkultes Blut im Stuhl, bei dem spezifische Antikörper gegen Oberflächenbestandteile des humanen Hämoglobins zum Einsatz kommen. Im Vergleich zum FOBT liefert er weniger falsch-positive Ergebnisse. Ein KRK wird in bis zu 60–80 % der Fälle durch die Verwendung dieser Tests erkannt, fortgeschrittene Adenome in 20–50 % [4, 5]. Bislang liegen jedoch keine großen prospektiven Studien für die verschiedenen FIT vor, weswegen sie noch nicht als primäre Screeningmethode empfohlen und von den Krankenkassen übernommen werden. Auch die höheren Kosten sind hierfür ein Grund.
Immunologische Stuhltests werden noch nicht als primäre Screeningmethode empfohlen

Enzymatischer Stuhltest

Eine weitere Alternative ist der quantitative Nachweis von Proteinen, die in malignen Zellen exprimiert werden. Hier spielt vor allem der M2-PK-Test eine Rolle; er dient dem Nachweis der fäkalen Tumor-M2-Pyruvatkinase. Die Sensitivität liegt bei > 80 %, die Spezifität ist jedoch mit < 80 % nur mäßig, sodass die nicht unerhebliche Zahl falsch-positiver Testergebnisse zur großen Verunsicherung von Patienten und Ärzten führt [6, 7].

Molekularbiologische Tests

Mithilfe von Methoden, die auf der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) basieren, können im Stuhl direkt Mutationen spezifischer KRK-assoziierter Gene nachgewiesen werden. In den letzten Jahren sind diverse Studien zu dieser Thematik erschienen. Bei KRK-Detektionsraten von bis zu 87 % und Nachweisraten fortgeschrittener Adenome von > 40 % waren die Ergebnisse z. T. vielversprechend [4, 8]. Aufgrund der hohen Kosten sowie der fehlenden Standardisierung werden die Verfahren noch nicht zur breiten Anwendung empfohlen, sind jedoch teilweise bereits kommerziell erhältlich.

Endoskopische Methoden

Sigmoidoskopie

Die flexible Sigmoidoskopie ist als Vorsorgeuntersuchung v. a. in Großbritannien und den USA etabliert. In Deutschland wurde sie als inkomplette Endoskopie nicht als Vorsorgeuntersuchung zugelassen. Eine erhebliche Morbiditäts- und Mortalitätsreduktion linksseitiger KRK ist unzweifelhaft bewiesen, jedoch werden KRK proximal der linken Flexur durch die Sigmoidoskopie nicht erfasst.
Die Morbiditäts- und Mortalitätsreduktion linksseitiger kolorektaler Karzinome durch die Sigmoidoskopie ist unzweifelhaft bewiesen

Kürzlich zeigte eine britische Studie an 170.432 Patienten, von denen 2 Drittel sigmoidoskopiert und über einen Zeitraum von > 11 Jahren nachbeobachtet wurden, dass im Vergleich zur Kontrollgruppe die KRK-Inzidenz um 23 % und die KRK-Gesamtmortalität um 31 % reduziert werden konnte [9]. Die Inzidenz von KRK des Sigmas und Rektums wurde um insgesamt 50 % gesenkt. In dieser Studie wies die flexible Sigmoidoskopie eine hohe Sensitivität und Spezifität in der Erkennung von adenomatösen Polypen und Karzinomen des rektosigmoidalen Übergangs auf.

Eine weitere große Studie aus den USA zur Screeningsigmoidoskopie wurde kürzlich hochrangig publiziert [10]. In die multizentrische Studie wurden 154.900 Männer und Frauen im vorsorgefähigen Alter eingeschlossen. Sie erhielten entweder eine Sigmoidoskopie sowie Wiederholungsuntersuchungen nach 3 und 5 Jahren oder es wurden lediglich die üblichen Vorsorgemaßnahmen durchgeführt. Wie sich zeigte, war in der Interventionsgruppe nach 11,9 Jahren die KRK-Inzidenz um 21 % im Vergleich zu Kontrollgruppe reduziert. Dies galt für distale wie auch proximale Karzinome. Die Mortalitätsreduktion der Interventionsgruppe betrug beachtliche 26 %. Die Mortalität aufgrund distaler Karzinome reduzierte sich um 50 %, dies galt allerdings nicht für proximale Tumoren.

Der entscheidende Nachteil der Sigmoidoskopie ist die fehlende Beurteilung der proximalen Kolonabschnitte. Es ist bekannt, dass etwa 35 % der Patienten mit distalen Polypen auch proximale neoplastische Läsionen aufweisen, die sich mit dieser Methode nicht detektieren lassen. Die beiden vorgestellten Studien haben jedoch zur Folge, dass man sich bei der Aktualisierung der S3-Leitlinie zum KRK erneut mit dieser Methode auseinandersetzt. In der Leitlinie wird die Methode als alternative diagnostische Maßnahme für Personen empfohlen, die sich keiner totalen Koloskopie unterziehen wollen. Die Akzeptanzrate des hier vorgestellten Screenings, die in einer Studie von Schoen et al. [10] mit 83,5 % bei Erstuntersuchung und 54,0 % bei der Folgeuntersuchung angegeben wird, spricht für sich. So ist auch die flexible Sigmoidoskopie als wichtige Option unter den KRK-Früherkennungsmaßnahmen zu werten.
Der entscheidende Nachteil der Sigmoidoskopie ist die fehlende Beurteilung proximaler Kolonabschnitte
Die Akzeptanzrate der Sigmoidoskopie ist hoch

Koloskopie

Die Koloskopie besitzt die höchste Sensitivität und Spezifität für die Detektion von KRK und präneoplastischen Polypen. Ausschließlich dieses Verfahren erlaubt die gleichzeitige Diagnose und endoskopische Therapie präneoplastischer Läsionen im gesamten Kolon. In den USA wurde die vollständige Koloskopie als Vorsorgemaßnahme im Abstand von 10 Jahren 2001 eingeführt. In Deutschland wird die Vorsorgekoloskopie bei Patienten ab 55 Jahren seit 2002 im Rahmen des Krebsfrüherkennungsprogramms eingesetzt. Hier wird sie derzeit jedoch noch von < 20 % der vorsorgepflichtigen Bevölkerung angenommen [11].
Ausschließlich die Koloskopie erlaubt die gleichzeitige Diagnose und endoskopische Therapie präneoplastischer Läsionen im gesamten Kolon
Mehrere Studien belegen, dass die Koloskopie die KRK-Inzidenz um 53–72 % und die KRK-Mortalität um 31 % reduziert [12, 13, 14]. Allerdings wurden insbesondere in den letzten Jahren Daten generiert, die zeigen, dass die Koloskopie v. a. Karzinome im distalen Kolon verhindert [14, 15]. Eine kürzlich publizierte Arbeit aus Kanada an 24.342 Männern und 30.461 Frauen, die zwischen dem 50. und 80. Lebensjahr koloskopiert worden waren, ergab, dass die KRK-Mortalität um insgesamt 29 % verringert wurde. Für distale KRK betrug die Mortalitätsreduktion 47 %, für proximale Karzinome fand sich jedoch keine signifikante Verminderung [14]. Eine weitere Studie aus Deutschland zeigte ebenfalls eine 67 %ige Reduktion der Prävalenz linksseitiger KRK, die Prävalenz der proximalen Karzinome war wiederum nicht signifikant verringert [15]. Die Ursache der Unterschiede zwischen distalen und proximalen KRK konnten die zitierten Studien nicht klären.
Mithilfe der Koloskopie lassen sich insbesondere Karzinome im distalen Kolon verhindern

Im Zusammenhang mit der reduzierten KRK-Detektionsrate im proximalen Kolon werden verschiedene Faktoren kontrovers diskutiert: Sicherlich hat die Erfahrung des Untersuchers sowohl für die Detektion als auch für die endoskopische Therapie präneoplastischer Läsionen eine große Bedeutung. Es stellte sich weiterhin heraus, dass Qualitätsfaktoren wie die Gründlichkeit der Koloskopievorbereitung, die Untersuchungszeit beim Rückzug des Endoskops sowie die Adenomdetektionsrate des einzelnen Untersuchers mit dem Nachweis von Adenomen korrelieren. Eine Arbeit zeigte auch Unterschiede in der Koloskopiequalität zwischen Gastroenterologen, Chirurgen und Hausärzten [14]. Möglicherweise spielt auch der Zeitpunkt der Untersuchung eine Rolle, da am Vormittag die Adenomdetektionsrate höher ist als am Mittag bzw. Nachmittag.

Technisch wurde die Koloskopie in den letzten 10 Jahren enorm weiterentwickelt:
  • Verbesserung der Endoskope,

  • Verwendung von Farbstoffen wie Indigokarmin in der Chromoendoskopie sowie

  • technische Fortentwicklung:
    • des „narrow band imaging“ (NBI),

    • der „Fujinon Intelligence Chromoendoscopy“ (FICE),

    • der Autofluoreszenzspektroskopie,

    • des iScan-Verfahrens und

    • der konfokalen Laserendomikroskopie.

Allein diese Fortschritte lassen eine Verbesserung der Detektionsrate präneoplastischer Läsionen erwarten. Teils konnte sie auch schon gezeigt werden.

Zuletzt wurden hochaktuelle Daten publiziert, die die Senkung der Mortalität durch die Vorsorgekoloskopie belegen. Zauber et al. [16] werteten die Langzeitergebnisse der National Polyp Study aus. Nach einer mittleren Überwachungsdauer von 15,8 Jahren war die KRK-bedingte Mortalität nach vorhergehender koloskopischer Entfernung von Adenomen um 53 % niedriger als in einer entsprechenden Vergleichsgruppe. Weiterhin war die Mortalität in der Adenomgruppe genau so niedrig wie in der Nichtadenomgruppe, wenn die Patienten nach endoskopischer Entfernung weiterhin überwacht wurden. Diese Ergebnisse belegen eindrucksvoll die Notwendigkeit, Adenome als Vorstufen von Krebs zu entdecken und entfernen sowie anschließend die betroffenen Patienten weiter endoskopisch zu überwachen. Demnach ist die Vorsorgekoloskopie bei entsprechender Wahrnehmung und Akzeptanz eine hocheffektive Methode, die sich in ihrer Effektivität kaum mit anderen Screeningverfahren vergleichen lässt. Berücksichtigt werden muss jedoch auch, dass bei breiter Implementierung der Koloskopie als Screeningverfahren eine hohe Qualität in der Durchführung gewährleistet werden muss.
Studien belegen die Senkung der Mortalität durch die Vorsorgekoloskopie
Nach Entdeckung und Entfernung von Adenomen sollten die betroffenen Patienten weiter endoskopisch überwacht werden

CT/MRT-Kolonographie

Die virtuelle Kolonographie ist ein CT- oder MRT-basiertes bildgebendes Verfahren. Verschiedene Studien haben die Effektivität der CT-Kolonographie (CTC) mit der Koloskopie verglichen [17, 18]. Polypen ≥ 10 mm werden in der CTC zu 90 % erkannt, ähnlich wie bei der Koloskopie. Polypen ≥ 6–9 mm werden zu 65,3 % detektiert. Bezogen auf die Histologie ist die CTC deutlich weniger sensitiv als die Koloskopie, da mit ihr nur 55 % der fortgeschrittenen Adenome ≥ 6 mm erkannt werden [17].
Bezogen auf die Histologie ist die CT-Kolonographie deutlich weniger sensitiv als die Koloskopie

Kürzlich wurde ein CTC-Protokoll vorgestellt, in dem sich die Patienten keinen Abführmaßnahmen unterziehen mussten [19]. Hier waren die CTC und Koloskopie bei Polypen ≥ 10 mm als gleichwertig anzusehen, die CTC erbrachte jedoch eine geringere Ausbeute bei kleineren Polypen. Möglichweise kann dieses Verfahren noch technisch verfeinert werden, was die Akzeptanz sicher wesentlich erhöhen würde.

Insgesamt sind die virtuellen Verfahren weniger invasiv, erfordern keine Sedierung und haben ein zu vernachlässigendes Perforations- und Blutungsrisiko. Bislang setzen sie jedoch eine komplette Darmreinigung voraus. Wie die Koloskopie sind diese Verfahren untersucherabhängig und bedürfen einer hohen Expertise sowie Erfahrung. Bei Nachweis von Polypen ≥ 6 mm wird eine komplette Koloskopie empfohlen, Kann diese nicht am selben Tag erfolgen, ist in der Regel eine zweite komplette Darmreinigung notwendig. Die Strahlenexposition beträgt 8–10 mSv pro Untersuchung, eine strahlenbedingte erhöhte Malignominzidenz wird diskutiert. Die CTC wird aus diesen Gründen nicht in den deutschen Leitlinien zur Darmkrebsfrüherkennung empfohlen und ist nicht als Screeningmaßnahme zugelassen.
Die CT-Kolonographie ist nicht als Screeningmaßnahme zugelassen

Fazit für die Praxis

  • Zur Früherkennung des KRK stehen heute effektive Verfahren zur Verfügung.

  • In Deutschland wird der asymptomatischen Bevölkerung ab dem 50. Lebensjahr der jährliche FOBT angeboten, alternativ die Koloskopie ab dem 55. Lebensjahr.

  • Aufgrund der Vorbeugung, der Früherkennungsmaßnahmen und einer verbesserten Therapie ist seit fast 2 Jahrzehnten ein Abfall der KRK-Mortalität zu beobachten.

  • Entscheidenden Einfluss auf ein weiteres Absinken der KRK-Mortalität und -Inzidenz wird die Motivation der Bevölkerung haben, an den entsprechenden Screeningverfahren teilzunehmen.

CME-Fragebogen

Wie lange beträgt der zeitliche Ablauf von der Entstehung eines Adenoms in ein Karzinom?

2 Jahre.

5 Jahre.

5–10 Jahre.

10–15 Jahre.

Nicht bekannt.

Welche Aussage zu den Stuhltests stimmt nicht?

Der FOBT wird ab dem 50. Lebensjahr zur Darmkrebsvorsorge angeboten.

Der FOBT weist Hämoglobin im Stuhl nach.

Der M2-PK-Test wird von den Krankenkassen übernommen und ist zu 99 % spezifisch.

Der FIT ist weniger oft falsch-positiv als der FOBT.

Genetische Stuhluntersuchungen sind vielversprechend, kommen aber noch nicht breit zur Anwendung.

Welche der folgenden Aussagen trifft zu?

Der FOBT kann KRK-Vorstufen sicher nachweisen.

Immunologische und neue enzymatische Tests können ein KRK sicher ausschließen.

Der FIT sollte dem FOBT aufgrund seiner besseren Sensitivität und Spezifität vorgezogen werden.

Nach negativer Koloskopie müssen als weitere Vorsorgemaßnahmen nur noch Stuhltests durchgeführt werden.

Stuhltests und Koloskopie sind in ihrer Genauigkeit äquivalent.

Welche Aussage ist falsch? Die Koloskopiequalität kann beeinträchtigt werden durch:

Die Erfahrung des Untersuchers.

Die Qualität der Vorbereitung.

Die Rückzugszeit.

Die Tageszeit der Untersuchung.

Das Geschlecht des Untersuchers.

Welche Aussage zur CT-Kolonographie ist falsch?

Die CT-Kolonographie weist Adenome > 10 mm sicher nach.

Die CT-Kolonographie ist in den USA zur KRK-Vorsorge zugelassen.

Patienten müssen vorher Abführmaßnahmen durchführen.

Es besteht eine nicht unerhebliche Strahlenbelastung.

Wenn einmal eingesetzt, sollte die Untersuchung alle 2 Jahre wiederholt werden.

Welche Aussage zu den endoskopischen Untersuchungen trifft nicht zu?

Sigmoidoskopie und Koloskopie können die Mortalität des KRK verringern.

Die Sigmoidoskopie ist ähnlich effektiv wie der FOBT.

Der Nachweis rechtsseitiger Adenome bzw. Karzinome ist problematisch.

Endoskopisch nachgewiesene Polypen sollten immer entfernt werden.

Die Koloskopie gilt als Goldstandard der Darmkrebsvorsorge.

Neuere Daten zur Sigmoidoskopie zeigen, dass …

diese Methode heute als obsolet gilt.

diese Methode als gleichwertig zur Koloskopie angesehen werden kann.

sie eine signifikante Senkung der KRK-Inzidenz und -Mortalität bewirkt.

die Mortalität auch an rechtsseitigen KRK sinkt.

sie jährlich erfolgen sollte.

Die CT-Kolonographie …

ist ähnlich effektiv wie die Koloskopie bei Polypen ≥ 1 cm.

ist in Deutschland als Vorsorgemaßnahme zugelassen.

sollte als Follow-up-Untersuchung nach einer Sigmoidoskopie erfolgen.

wird in Deutschland mit großer Erfahrung und flächendeckend angeboten.

ist für den Patienten ohne Vorbereitungsmaßnahmen durchzuführen.

Welche Aussage ist falsch? Langzeitdaten aus der National Polyp Study …

zeigen, dass die KRK-Mortalität um 53 % gesenkt wird.

zeigen, dass die Mortalität bei Patienten mit Adenomen, die abgetragen wurden, gleich ist wie die von Patienten ohne Adenome.

zeigen, dass Adenome nicht entfernt werden müssen, sondern beobachtet werden können.

zeigen, dass Patienten mit KRK-Vorstufen in regelmäßigen Abständen erneut endoskopiert werden müssen.

sind auch bei uns von hoher Relevanz.

Welche Aussage ist falsch?

Das KRK ist bei Männern und Frauen die zweithäufigste Krebstodesursache.

Das KRK-Risiko der allgemeinen Bevölkerung liegt bei 5 %.

Vorsorgemaßnahmen sollten ab dem 50. Lebensjahr erfolgen.

Nach kurativer Resektion eines KRK sind keine weiteren Vorsorgemaßnahmen nötig.

Die Mortalität des KRK ist weiterhin hoch.

Interessenkonflikt

Der korrespondierende Autor gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2013