, Volume 101, Issue 1, pp 41-60
Date: 04 Apr 2008

The Grenchenberg conundrum in the Swiss Jura: a case for the centenary of the thin-skin décollement nappe model (Buxtorf 1907)

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Abstract

When Buxtorf in 1907 proposed his décollement hypothesis which visualized the Jura fold belt as a “folded décollement nappe” pushed by the Alps, he met with both fervent support of a few and skepticism by the many. As an illustration of recalcitrant problems within the Jura décollement nappe, that remain after 100 years, a model of the Grenchenberg complex is presented within the frame of 3D décollement kinematics, based on a set of rules gleaned from recurrent features in the Jura: (1) that generally progression of décollement was in sequence from south to north, (2) that in any given structure thrusting (with attendant ramp folding) preceded more generalized folding, (3) that progression of décollement was held up at “anchor points” (asperities) where the emerging thrusts and folds developed inflections with dextral transpression in the western and sinistral transpresssion in the eastern flank, (4) that at such asperities more southerly structures, riding piggyback on the moving décollement sheet, often collided with more northerly ones and even merged with them. The asperities occur on fault/flexure lines of Paleogene origin, the Pierre Pertuis anchor point on the Vicques and the Grenchenberg extended anchor domain on the “Schwarzwald” Line (the continuation of the eastern border of the Rhinegraben). These lines produced deformations of the décollement surface in the middle Triassic evaporites which acted as boundary conditions at the bottom boundary of the décollement nappe, which led to stress concentrations and the nucleation of faults. Although it is now widely recognized that these lines were reactivated during late Miocene Jura décollement, it ought to be stressed that this reactivation affected the décollement nappe only and there individual asperities or groups of asperities rather than the lines as a whole. Because in the course of nappe displacement the originally autochthonous asperities as expressed in the sedimentary cover moved into an allochthonous position, their original autochthonous location in the basement has to be found by retrodeformation enabled by a map-aspect kinematic model. The Grenchenberg structure developed by collision of the Montoz and Chasseral ranges and was affected by at least three different anchors. At one of these anchors a belt of brachyanticlines developed along which material was dextrally transferred from the Montoz- to the Chasseral fold, resulting in the disappearance of the former and the strengthening of the latter, which in turn merged with the rising Weissenstein fold.

Zusammenfassung

Als Buxtorf 1907 seine Abscherungshypothese vorstellte, in der der Faltenjura als eine von den Alpen her geschobene „gefaltete Abscherdecke“ konzipiert war, stiess er bei Wenigen auf begeisterte Zustimmung; die Mehrheit blieb skeptisch. Um zu illustrieren, dass es auch heute noch, nach hundert Jahren, widerspenstige Probleme im abgescherten Jura gibt, wird unter Verwendung einer Anzahl von Regeln der Versuch unternommen, ein 3D-kinematisches Abschermodell des Grenchenberg-Komplexes zu entwickeln. Die Regeln sind (1) dass generell (d. h. mit Ausnahmen) Abscherung und Faltenbildung „in Sequenz“, d. h. progressiv von S nach N erfolgten; (2) dass in jeder individuellen Kontraktionsstruktur zuerst Überschiebungen (begleitet von den obligaten Rampenfalten) entstanden, gefolgt von einer allgemeinen Verfaltung; (3) dass die Ausbreitung der Abscherung an Ankerpunkten aufgehalten wurde, wo die in Bildung begriffenen kontraktiven Strukturen einen nach S konvexen Knick erfuhren mit einer dextral-transpressiven Westflanke und einer sinistraltranspressiven Ostflanke; (4) dass an solchen Ankerpunkten südlichere, schon bestehende Strukturen, die passiv auf der sich bewegenden Abscherdecke nach N ritten, mit den sich bildenden Strukturen kollidieren und sich sogar mit ihnen vereinigen konnten; (5) dass den kontraktiven transpressive Elemente überlagert sein können, vor allem bedingt durch die örtlichen Unregelmässigkeiten an der Basis der Abscherdecke. Diese Ankerpunkte befinden sich auf eo-oligozänen Deformationslinien, und zwar der Pierre Pertuis Anker auf der Viques-, die etwas ausgedehntere Ankerdomäne des Grenchenbergs auf der „Schwarzwald“ Linie (südliche Fortsetzung des Rheingraben-Ostrands). An den Ankerpunkten wurde der spätere Abscherhorizont während des Eozän-Oligozäns und Untermiozäns deformiert, und diese Deformationen wirkten als spezielle Randbedingungen an der Basis der spätmiozänen Abscherdecke. Daran entstanden Spannungskonzentrationen, welche Störungen aller Art auslösten. Obwohl nun allgemein anerkannt ist, dass diese Palaeolinien in der spätmiozänen Jurafaltung reaktiviert wurden, so ist hervorzuheben, dass nicht die Linien selbst sondern vielmehr die darauf befindlichen Ankerpunkte oder Gruppen von Ankerpunkten wirksam waren, und zwar nur in der Sedimenthaut. Weil im Verlauf der Deckenbewegungen die ursprünglich autochthonen Anker in der Abscherdecke um grosse Beträge in allochthone Positionen verfrachtet wurden, kann die ursprüngliche autochthone Position im Grundgebirge nur mit Hilfe eines kinematischen Modells (in Kartenansicht) durch Retrodeformation ermittelt werden. Der Grenchenberg entstand durch Kollision der Chasseralmit der Montozkette, wobei mindestens drei Ankerpunkte mitwirkten. An einem solchen Ankerpunkt entstand eine dextrale Transferzone, markiert durch einen en-échelon Gürtel von Brachyantiklinalen. An diesem Gürtel wurde die Montozfalte abgebaut und dafür die Chasseralfalte aufgebaut, wobei sie in die aufsteigende Weissensteinfalte überging.

Manuscript received April 19, 2007. Revision accepted October 28, 2007
Editorial Handling: Stefan Schmid, Stefan Bucher