Estrogen-aktive Metabolite der Alkylphenolethoxylate in Lebensmitteln: Eine ungelöste und komplexe Problematik

Original Paper

DOI: 10.1007/s00003-006-0059-5

Cite this article as:
Günther, K. J. Verbr. Lebensm. (2006) 1: 364. doi:10.1007/s00003-006-0059-5
  • 39 Downloads

Zusammenfassung.

Die Bestimmung von Xeno-Estrogenen in Lebensmitteln ist für die Beurteilung ihres Gefährdungspotentials für die Verbraucher unbedingt notwendig; daher sind die Metabolite der in großen Mengen produzierten Alkylphenolethoxylate (APE) von besonderem Interesse. Systematische Untersuchungen über die Gehalte von estrogen-aktiven Metaboliten der APE (EAMAPE) in Nahrungsmitteln fehlten bis vor einigen Jahren jedoch völlig. Eine bedeutende Gruppe der EAMAPE bildet das Nonylphenol (NP), bei dem es sich um ein äußerst komplexes Isomerengemisch handelt.

Untersucht wurden zahlreiche Lebensmittel auf Basis der 1. Nationalen- und der DONALD-Verzehrsstudie. In allen Produkten wurde NP gefunden. Aus diesen Ergebnissen lässt sich erstmals eine Aufnahme von NP für die verschiedenen Verbrauchergruppen in Deutschland sicher abschätzen. Die tägliche Aufnahme (“daily intake”) pro Kilogramm Körpergewicht ist für Kleinkinder und insbesondere Säuglinge wesentlich höher als für Erwachsene.

Über die estrogene Aktivität der verschiedenen NP-Isomere gab es lange keine Informationen. Es wurden zahlreiche NP mit unterschiedlichen Nonyl-Seitenketten synthetisiert. Die Bestimmung der Estrogenität erfolgte mit Hilfe von Hefekulturen (yeast assay). Das estrogene Potential der NP-Isomere ist stark von der Struktur der Nonyl-Seitenkette abhängig. Erste Ergebnisse zeigen weiterhin, dass es eine starke Variabilität der Isomerenverteilung bei unterschiedlichen Lebensmitteln gibt. Zur exakten wissenschaftlichen Bewertung der Nonylphenolproblematik ist deshalb in der Zukunft eine isomerenspezifische und wirkungsbezogene Sichtweise erforderlich. Diese Tatsache ist in der EU-Risikobewertung zu NP nicht berücksichtigt worden. Zur rationellen Bezeichnung der einzelnen Isomere wurde ein neues Nomenklatur-System entwickelt.

Über den Gehalt von weiteren EAMAPE in Lebensmitteln, wie NP-Carboxylate, kurzkettige NP-Ethoxylate oder Octyphenol und Derivate, gibt es bisher nur sehr wenige Informationen. Hier ist für die Zukunft auch dringender Handlungsbedarf angezeigt, da ihre estrogene Aktivität mit der von NP vergleichbar ist.

Schlüsselwörter.

Alkylphenole Lebensmittel daily intake isomerenspezifische Aspekte 

Copyright information

© Birkhäuser Verlag, Basel 2006

Authors and Affiliations

  1. 1.Forschungszentrum JülichInstitut für Chemie und Dynamik der GeosphäreJülichGermany

Personalised recommendations