, Volume 96, Issue 5, pp 270-280

Die Therapie der Osteoporose aus dem Blickwinkel einer auf Evidenz basierenden Medizin

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Zusammenfassung

Definition und sozioökonomische Bedeutung: Die Osteoporose ist eine Erkrankung, bei der eine verminderte Knochenmasse zu einem Anstieg des Risikos für Knochenbrüche führt. Sie stellt eine erhebliche Belastung für die Systeme der Sozialversicherung in den entwickelten Ländern dar. In Deutschland leiden etwa zwei Millionen Frauen und 800 000 Männer unter den Folgen von Wirbelkörperfrakturen. Schätzungen zur Häufigkeit der Schenkelhalsfrakturen liegen je nach zugrunde liegender Datenbasis zwischen 70 000 und etwa 130 000 Oberschenkelhalsbrüchen pro Jahr. Dabei verursachen allein die Schenkelhalsfrakturen Kosten in Höhe von 3–5 Mrd. DM.

Therapie unter dem Aspekt einer auf Evidenz basierenden Medizin: Sackett et al. charakterisierten 1996 eine auf Evidenz basierende Medizin als den “gewissenhaften, ausführlichen und besonnenen Gebrauch der momentan verfügbaren besten Information zur Wirksamkeit als Grundlage der Behandlung des jeweiligen Patienten”. Die praktische Anwendung einer auf Evidenz basierenden Medizin bedeutet, “die jeweilige individuelle klinische Erfahrung mit dem besten des zurzeit aus wissenschaftlichen Studien verfügbaren Wissens zu kombinieren und beim jeweiligen Patienten anzuwenden”.

Osteoposoretherapie: Das Ziel einer Prävention und Therapie der Osteoporose besteht in der Verhinderung von Knochenbrüchen. Dazu ist eine Reihe von Therapiemöglichkeiten verfügbar. Bei der Betrachtung der Ergebnisse zugrunde liegender randomisierter klinischer Studien zeigte sich allerdings, dass die Qualität der Sicherheit einer Aussage zur Senkung des Frakturrisikos sehr unterschiedlich sein kann. Am besten geprüft und daher der höchsten Evidenzstufe zuzuordnen sind derzeit die Supplementation mit Calcium und Vitamin D sowie eine Therapie mit den Bisphosphonaten Alendronat oder Risedronat und dem SERM Raloxifen. Für weitere Therapeutika, wie z. B. die Fluoride, die Vitamin-D-Metaboliten, das Calcitonin sowie das Etidronat, ist die Qualität der Evidenz deutlich geringer, während es für andere Medikamente keine gesicherte Evidenz gibt. Zur Prävention der Schenkelhalsfrakturen ergibt sich für die Hüftprotektoren eine hohe Evidenz.

Abstract

Definition and Socioeconomic Aspects: Osteoporosis is a disease characterized by low bone mass and an increased susceptibility to fractures. It represents an enormous burden for the social security systems in developed countries. In Germany, approximately two million women and 800,000 men suffer from vertebral fractures and estimates for hip fracture incidence are in the range of 70,000–130,000 per year. The resulting costs for hip fractures alone could be calculated to 3–5 billion German marks.

Therapy According to Evidence-Based Medicine (EBM): According to Sackett et al. 1996, evidence-based medicine is the conscientious, explicit, and judicious use of current best evidence in making decisions about the care of individual patients. The practice of evidence-based medicine means integrating individual clinical epertise with the best available external evidence from systematic research.

Osteoporosis Therapy: The goal of osteoporosis therapy is to prevent fractures and several therapeutic options are available for this disease. With respect to proven fracture benefit, however, the quality of evidence from randomized clinical trials varies substantially among therapies. From systematic research the best external evidence is available for a supplementation with calcium and vitamin D and a therapy with the bisphosphonates alendronate or risedronate, as well as the SERM raloxifene. For other therapeutic agents like fluorides, vitamin D metabolites, calcitonin, and etidronate the quality of evidence is much lower. So far, there is no evidence for other pharmaceutical therapies. Hip protectors are effective for the prevention of hip fractures.

Eingang des Manuskripts: 19.10.1999; Annahme des überarbeiteten Manuskripts: 14.2.2001.