Bundesgesundheitsblatt

, Volume 41, Issue 8, pp 326–329

Hormonähnlich wirkende Stoffe in der Umwelt—Einführung und Sachstand

  • H. Greim
Article

DOI: 10.1007/BF03044076

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Greim, H. Bundesgesundhbl. (1998) 41: 326. doi:10.1007/BF03044076
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Zusammenfassung

Über die hormonähnliche Wirksamkeit von Umweltchemikalien und natürlichen Pflanzeninhaltsstoffen werden sowohl in der Fachwelt als auch in der Öffentlichkeit kontroverse Diskussionen geführt. Weltweit sind umfangreiche Forschungsaktivitäten und -förderprogramme zur Lösung der vielen noch offenen Fragen zu verzeichnen. Obwohl der gegenwärtige Stand der Kenntnis noch keine abschließende Bewertung erlaubt, zeichnet sich doch ab, daß die Bedeutung endokrin wirksamer Umweltschadstoffe für die menschliche Gesundheit aus zwei Gründen eher gering ist. Sowohl die Wirkungsstärke als auch die Konzentration der Stoffe ist um Größenordnungen niedriger als z. B. die der körpereigenen Östrogene. Dagegen können Auswirkungen auf die Umwelt unter bestimmten Voraussetzungen durchaus ernste Folgen haben. Auch die in der menschlichen Nahrung enthaltenen Phytoöstrogene zeigen zwar eine sehr viel geringere Wirkungsintensität, sie können jedoch, verglichen mit den Umweltchemikalien, in Abhängigkeit von den Ernährungsgewohnheiten in erheblich größeren Mengen aufgenommen werden. Um die Ursachen für die möglicherweise verminderten Spermienzahlen und die erhöhten Hoden- und Brustkrebsraten zu klären, sind sorgfältig durchgeführte epidemiologische Studien erforderlich. Daneben sind weitere Studien zum Mechanismus der hormonellen Wirkungen sicher aufschlußreich, prioritär sind jedoch quantitative Aspekte, d. h. die Erfassung der biologischen Wirkstärke der verschiedenen Stoffe im Vergleich zu den körpereigenen Hormonen und den im Menschen gefundenen Mengen dieser Stoffe.

Environmental hormon-like acting substances—Introduction and state of knowledge

Summary

The hormone-like activity of environmental chemicals and natural plant constituents has evoked a controversial debate in both the public and the scientific community. Considerable research activities and sponsored programmes are being conducted world-wide to resolve the multitude of yet unanswered questions. Although the present state of knowledge does not permit a final evaluation, the available data suggests that endocrine-disrupting xenobiotics are only of minor significance to human health for two reasons. Both potency and concentration are by several orders of magnitude lower than e. g. endogenous hormone levels. However, the impact on the environment may in certain cases have grave consequences. Compared to environmental chemicals, phytoestrogens are food ingredients exhibiting a similarly low activity but which may be taken up at much higher levels, depending on individual eating habits. Carefully designed and conducted epidemiological studies are required to clarify the cause of the apparent reduction of sperm numbers and of the increases in testicular and mammary cancer incidences. Additional studies that shed light on the mechanism of hormonal effects would certainly be informative. However priority should be given to quantitative aspects, e. g. determination of the biological potency of the different compounds in comparison to endogenous hormones, as well as internal exposure to these compounds in humans.

Copyright information

© Springer-Verlag 1998

Authors and Affiliations

  • H. Greim
    • 1
  1. 1.Gesellschaft Deutscher Chemiker Beratergremium für Altstoffe (BUA-Büro München)GSF-Institut für Toxikologie, NeuherbergOber-schleißheim