, Volume 144, Issue 3, pp 253-270

The colour of birds: Hans Duncker, pioneer bird geneticist

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Summary

Hans Duncker (1881–1961) is among the first avian geneticists, but remains poorly known. He trained as a biologist, completing his PhD at the University of Göttingen in 1905 and then became a high-school teacher in Bremen where he remained for the rest of his life. In 1921 he met Karl Reich (1885–1970) who was the first person to make recordings of bird song and was well-known for creating a strain of canaries that sang Nightingale (Luscinia megarhynchos) songs. Duncker provided a novel Darwinian/Mendelian explanation for how Reich's canaries acquired their songs. In the early 1920s, a time during which the field of genetics was rapidly developing in the USA and Britain, but not Germany, Duncker and Reich conducted large-scale breeding experiments to establish the pattern of inheritance of variegation and other traits in canaries. In 1925 Duncker met Generalkonsul Carl Cremer (1858–1938), who provided the financial backing for a massive and comprehensive study of inheritance of colour patterns in Budgerigars (Melopsittacus undulates). At the same time Duncker also initiated a project to create a red canary by hybridising canaries with the Red Siskin (Carduelis cucullata). Duncker recognized that bird-keepers had much to offer professional scientists (and vice versa) and was keen to bridge the gap between them and to this end in 1927 began his own journal “Vogel ferner Lander”. His research on the genetics of the canary and budgerigar resulted in the publication of a large number of papers in ornithological journals and magazines and several books. Duncker was a eugenicist, and when the National Socialists came to power in 1933 he supported and promoted the notion of positive eugenics. He was later (in 1990) condemned for these activities and for having been a Nazi, but we show that Duncker joined the Party only reluctantly. After WWII Duncker restored and re-catalogued the bird collections at the Übersee-Museum in Bremen. We discuss the possible reasons why Duncker's research, much of it very innovative, has been largely ignored internationally.

Zusammenfassung

Heute ist weitgehend vergessen, dass Hans Duncker (1881–1961) einer der ersten Genetiker in der Ornithologie war. Aufgewachsen in Ballenstedt am Harz studierte er in Göttingen Naturwissenschaften und promovierte bei Ernst Ehlers über ein morphologisches Thema. Ornithologisch wurde er durch seine Übersichtsarbeit „Uber den Wanderzug der Vögel“ (1905) bekannt, die den Petsche-Labarre-Preis erhielt. Nach der Promotion fand er eine Anstellung als Lehrer für Mathematik und naturwissenschaftliche Fächer in Bremen, wo er bis kurz vor seinem Tod lebte.

1921 begann seine Zusammenarbeit mit dem Kanarienzüchter Karl Reich (1885–1970), der als erster Vogelgesang auf Platte aufgenommen und einen Kanarienstamm gezüchtet hatte, der perfekt Nachtigallen imitierte. Duncker bot eine darwinistische Erklärung für dieses Phänomen, indem er klarstellte, dass Reich nicht Kanarien mit Genen für Nachtigallengesang, sondern lediglich Vögel mit besserem Lernvermögen herausgezüchtet hatte (Duncker 1922a). Zu Anfang der 1920er Jahre, als die experimentelle Genetik noch weitgehend Neuland war, begannen Duncker und Reich mit Kreuzungsversuchen in großem Stil, um die Erblichkeit von Gefiederfarben und -strukturen, wie z. B. der Haubenbildung, zu erforschen. Ab 1925 kooperierte Duncker auch mit Carl Cremer (1858–1938), einem wohlhabenden Bremer Kaufmann. Cremer ermöglichte die Finanzierung und stellte seine Volierenanlagen für die Untersuchungen der Vererbung von Farbmustern bei Kanarien und insbesondere Wellensittichen zur Verfügung. Durch die Kreuzung mit dem Kapuzenzeisig (Carduelis cucullatus) wollte Duncker einen roten Kanarienstamm erzeugen. Dies war deshalb so schwierig, da erst nach mehreren Generationen komplizierter Kreuzungskombinationen fertile Nachkommen möglich sind. Letztlich gelang es, das Gen für rote Farbe vom Kapuzenzeisig auf Kanarien zu übertragen. Dies ist das erste transgene Experiment in der Ornithologie. Wirklich rote Kanarienvögel wurden jedoch erst Anfang der 1950er Jahre in England erzeugt (Gill 1955).

Mit seinen großangelegten Kreuzungsexperimenten hat Duncker die Praxis der Vogelhaltung und die theoretische Naturwissenschaft erfolgreich miteinander verknüpft. Er hatte begriffen, dass Vogelhalter und Wissenschaftler gleichermaßen voneinander profitieren können. Ab 1927 gab er eine eigene Zeitschrift, „Vögel ferner Länder“ heraus, die rasch zur Verbandszeitschrift der AZ (Austauschzentrale der Exotenliebhaber und-züchter) wurde. Der enorm produktive Duncker publizierte ca. 75 Arbeiten, die Mehrzahl über Kreuzungsexperimente und Vererbungsregeln bei Wellensittichen und Kanarien. Seine Vererbungstabellen für Wellensittiche sind heute noch in Gebrauch (Elliott & Brooks 1999). Als engagierter Eugeniker befürwortete Duncker die Zwangssterilisation von Behinderten (Meyer & Duncker 1933), was ihm später vorgeworfen wurde (Walter 1990). Unterlagen und Entnazifizierungsprotokolle im Bremer Staatsarchiv zeigen jedoch, dass Duncker wegen fehlender Loyalität mehrfach in Schwierigkeiten geriet und erst 1940 unter Druck Parteimitglied wurde.

Nach dem 2. Weltkrieg reorganisierte Duncker die Vogelsammlung des Bremer Überseemuseums. Mögliche Gründe für die fehlende internationale Anerkennung Dunckers sind in einer Fehlinterpretation seiner Experimente (Crew & Lamy 1934, 1935) und in der nach dem 1. Weltkrieg einsetzenden Isolation der deutschen Wissenschaft zu suchen.

Dedicated to Rolf Schlenker on the occasion of his 65th birthday