Zeitschrift für Hygiene und Infektionskrankheiten, medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Virologie

, Volume 148, Issue 1, pp 69–93

Dritter Bericht über das Vordringen der Tularämie nach Mittel- und Westeuropa über den Zeitraum von 1950 bis 1960

  • H. J. Jusatz
Article

DOI: 10.1007/BF02151963

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Jusatz, H.J. Zeitschr. f. Hygiene. (1961) 148: 69. doi:10.1007/BF02151963

Zusammenfassung

  1. 1.

    Die Westwärtsbewegung der Tularämie in Europa ist in der Berichtszeit von 1950–1960 zu einem Stillstand gekommen.

     
  2. 2.

    In einigen der alten Nistgebiete der Tularämie sind wiederum in verschieden langen Abständen neue epizootisch-epidemische Ausbrüche erfolgt. Hierdurch wird angezeigt, daß die Tularämie nunmehr auch in Mittel- und Westeuropa zu einer autochthonen Seuche der heimischen Nagerwelt geworden ist und von dieser auf den Menschen übergehen kann.

     
  3. 3.

    Die weitere Entwicklung der Tularämie in Europa wird gekennzeichnet durch die Erfüllung bestimmter geomedizinischer Bedingungen, von denen ein dauerndes Einnisten des Erregers in die heimische Fauna einiger klimatisch und ökologisch besonders ausgezeichneter Herd-gebiete abhängig ist. Dabei muß damit gerechnet werden, daß auch die Feldmausbestände eines Nistgebietes bei Eintreten optimaler Klimaverhältnisse verseucht werden und die Infektion weitertragen können.

     
  4. 4.

    Eine synökologische Betrachtung zeigt, daß sich auch in Europa eine Verseuchung unter den Schafbeständen in Nistgebieten der Tularämie oder in ihrer Umgebung ereignen kann.

     
  5. 5.

    Mit dem weiteren Auftreten von Tularämie in epidemischer Form in Mittel- und Westeuropa muß auch künftig gerechnet werden. Jedes neue Vorkommen von Tularämiefällen in einem bisher noch unverseucht gebliebenen Gebiet bedarf einer genauen geomedizinischen Analyse, ob es in dem betreffenden Gebiete zu einer Ausbildung eines neuen Dauerherdes für Tularämie kommen kann.

     

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© Springer-Verlag 1961

Authors and Affiliations

  • H. J. Jusatz
    • 1
  1. 1.Geomedizinischen Forschungsstelle der Heidelberger Akademie der Wissenschaften in HeidelbergDeutschland