Zeitschrift für Anatomie und Entwicklungsgeschichte

, Volume 84, Issue 3, pp 476–510

Neue Wege der Gewebelehre III

Experimentelle Histologie
  • Paul Vonwiller
Herrn Professor Dr. H. Spemann Gewidmet

DOI: 10.1007/BF02117744

Cite this article as:
Vonwiller, P. Z. Anat. Entwickl. Gesch. (1927) 84: 476. doi:10.1007/BF02117744

Zusammenfassung

Die vorliegende Untersuchung zeigt, wie man auf Grund der früheren Arbeiten dieser Serie und durch eine Anzahl von technischen Verbesserungen zunächst das schon früher Geschilderte schneller und sicherer erreicht als vorher, nämlich die Beobachtung von lebenden Zellen und Geweben lebender höherer Tiere und Pflanzen „in vivo et in situ” mit schwächeren und stärkeren Vergrößerungen. Ganz besonders wichtig sind dabei die auf Grund unserer Reflektorentheorie angewendeten künstlichen Reflektoren. Mittels dieser kann auch an den vorher nur schwer oder sogar ganz unzugänglichen inneren Organen wie am Herzen des Frosches, an der Froschharnblase und ähnlichen Organen mit Erfolg mikroskopiert werden. Besonderes Interesse scheint uns die Methode der Beobachtung lebender Skelettmuskeln bei erhaltenem Zusammenhang mit iherer Innervation und Vascularisation und an ihrem natürlichen Standort, auch mit den stärksten Vergrößerungen, zu verdienen. Ein besonders weites Feld der experimentellen Histologie eröffnet die am Beispiel der Sekrettropfen von Pinguicula durchgeführte optische Analyze und vor allem die Kombination unserer Mikroskopiermethode mit der Mikromanipulation: das Gebiet der „biologischen Linsen” und ferner der Möglichkeit, kleinste Stoffmengen, sei es an ihrem Standort im lebenden Organismus oder aus ihm entnommen, weiter zu verarbeiten. Die Verbindung unserer Methoden mit der Chirurgie sowie mit der Physiologie bedeuten einen weiteren wesentlichen Zuwachs, wie dies am Beispiel besonders der Mikroskopie an der lebenden Niere des Frosches und der Säugetiere nachgewiesen wurde. Schließlich zeigt uns das Beispiel der indirekten Beleuchtung im senkrecht auffallenden Licht, wie gewisse Schwierigkeiten des neuen Verfahrens überwunden werden können, und wie sich dadurch wieder eine große Anzahl neuer Beobachtungsfelder an lebenden Organismen als zugänglich erweisen, wovon wir besonders die Beobachtung des lebenden Pflanzenblatt-parenchyms, die Capillaroskopie bei starker Vergrößerung am lebenden Säugetier und die ebenfalls am lebenden Säugetier verwirklichte Parasitoskopie erwähnen möchten. Insgesamt darf wohl behauptet werden, daß durch die geschilderten Verbesserungen und neuen Anwendungen ein großes Gebiet neu zur experimentellen Histologie hinzugekommen ist.

Copyright information

© J. F. Bergmann und Julius Springer 1927

Authors and Affiliations

  • Paul Vonwiller
    • 1
  1. 1.anatomischen InstitutUniversität ZürichZürich