Kraft und Identität

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Zusammenfassung

Das Aufkommen der „klassischen Mechanik“ wird als paradigmatisch für die Entstehung des neuzeitlichen wissenschaftlichen Denkens angesehen. Geht man nun dem Beginn dieser Entwicklung nach, so stößt man sehr bald auf den Begriff der Selbsterhaltung. Das Postulat der Selbsterhaltung erweist sich als zentrale Kategorie bei der Herausbildung einer „externen“ Naturvorstellung, nach der ein sich bewegender Körper keiner zusätzlichen Kraft bedarf, um die betreffende Bewegung aufrechtzuerhalten (Trägheitsprinzip). Sie erhält sich von selbst. Das Prinzip der Selbsterhaltung taucht in dieser Epoche auch in verschiedenen anderen Disziplinen auf, beispielsweise der Staatsphilosphie (Th. Hobbes) und der Ethik (Spinoza). Ein paralleles Phänomen während dieser Zeit ist eine beginnende Emanzipation des Individuums. Der allmähliche Ausbau einer Autonomie im Denken und Fühlen findet seinen Ausdruck in einem neuen Vernunftsbegriff, der nicht mehr in Abhängigkeit von theologischen Postulaten steht. Die Autonomie des Individuums wird weitgehend als Selbsterhaltung der Vernunft verstanden. Es liegt nahe einen Zusammenhang zu vermuten zwischen der neuzeitlichen Naturerfassung auf der Grundlage des Selbsterhaltungsbegriffes und der „Entdeckung“ einer individuellen, sich selbst konstituierenden Vernunft.

Geringfügig veränderte Fassung meines Vortrages, den ich anläßlich der 63. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Geschichte der Medizin, Naturwissenschaft und Technik (26. 9.–30. 9. 1980) in Tübingen hielt. Für hilfreiche Hinweise danke ich Helmut Lindner.
Sperrungen, nach denen die in Klammern gesetzten Initialen (R. J.) folgen, stammen von mir.