, Volume 112, Issue 2, pp 138-157

Der Einflug der Großtrappe(Otis tarda L.) nach West-Europa im Winter 1969/70

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Zusammenfassung

Im Winter 1969/70 fand ein besonders starker Einflug der Großtrappe (Otis tarda L.) nach West-Europa statt. Daran dürften etwa 300 Vögel beteiligt gewesen sein, von denen mindestens der überwiegende Teil aus der DDR stammte, und die hauptsächlich in Nordwestdeutschland und in Holland auftraten; Einzelexemplare flogen bis Bayern, Frankreich, Schottland und Dänemark.

Nach den Einflügen bei strengem Frost und hoher Schneelage im Dezember und Januar führten die überwinternden Großtrappen witterungsabhängige, zwischen W und E pendelnde, Wanderungen aus, die typische Randzugerscheinungen darstellten. Auf dem Rückzug bildete sich im März im östlichen Niedersachsen ein Zugstau aus.

Die Großtrappen zeigten sich meistens einzeln, mehrfach jedoch auch in Trupps bis zu 5, gelegentlich bis zu 20 Exemplaren. Das Geschlechterverhältnis betrug 1 ♂ : 1,35 ♀. Etwa 10% der eingeflogenen Großtrappen kamen um.

Da nicht jeder strenge Winter so ausgedehnte Großtrappenwanderungen in Mitteleuropa bewirkt, dürfte die Ursache für den Einflug 1969/70 das ganz besonders frühe Einsetzen winterlicher Witterung gewesen sein, so daß ein latent vorhandener Wegzugtrieb noch ausgelöst werden konnte.

Summary

An account is given of an extremely large invasion of Western Europe by the great bustard (Otis tarda L.) in the winter 1969/70, in the course of which about 300 birds, mostly from the DDR, were observed in Northwestern Germany and in Holland; single birds reached Bavaria, France, Scotland and Denmark.

After the arrival of the birds in frosty weather with quite a lot of snow in December and January, wheather-dependent migrations of the wintering great bustards, oscillating between E and W, were found and are interpreted as “Randzug”. The spring migration stopped for about a week in March in the eastern parts of Lower Saxony.

The great bustards mainly occured singly, but also several times in flocks up to 5 and occasionally up to 20 birds. The ratio of sexes was 1 ♂ : 1,35 ♀. About 10% of the invading great bustards died.

Because not every hard winter leads to extended migrations of the great bustard in Central Europe, the reason for the invasion 1969/70 seems to be the very early beginning of frosty wheather, so that a latent existing tendency to migration was brought out.