Österreichische botanische Zeitschrift

, Volume 101, Issue 5, pp 453–487

Untersuchungen über die Morphologie, Entwicklungsgeschichte und Systematik von Flechtengonidien

Authors

  • Ilse Zeitler
Abhandlungen

DOI: 10.1007/BF01284364

Cite this article as:
Zeitler, I. Osterr bot Z (1954) 101: 453. doi:10.1007/BF01284364

Zusammenfassung

DieProtococcus-Gonidien von neun Verrucariaceen, zwei Dermatocarpaceen und einer Lecideaceae, die sich in situ zum Großteil nicht unterscheiden, lassen sich mit Hilfe einfacher Kulturversuche auf Grund konstanter morphologischer und entwicklungsgeschichtlicher Merkmale drei verschiedenen Typen zuordnen:

Protococcus Verrucariae acrotelloidis, der inVerrucaria acrotelloides, vierThelidium-Arten und inLecidea coarctata auftritt, ist gekennzeichnet durch die Bildung von Zellpaketen, Verringerung der Zellgröße, plötzlich einsetzendem Zerfall der Pakete in relativ kleine Einzelzellen, weitere Teilung und Isolierung der letzteren und schließlich Einsetzen einer Größenzunahme unter neuerlicher Paketbildung; die Rhythmik dieser Entwicklung wird durch eine Erneuerung des Kulturmediums nicht beeinflußt;

Protococcus Dermatocarponis miniati ausDermatocarpon miniatum, Endocarpon pallidum, Verrucaria tristis undThelidium perexiguum unterscheidet sich vonProtococcus Verrucariae acrotelloidis im wesentlichen durch die Fähigkeit, im Anschluß an den Paketzerfall kurze Fäden zu bilden; bemerkenswert ist der starke Polymorphismus; die Aufstellung einer eigenen GattungHyalococcus Warén erübrigt sich;

BeiProtococcus Staurothelis treten nur lockere und aus relativ wenigen Zellen bestehende Pakete auf, da die Tochterzellen sich unmittelbar oder bald nach der Teilung trennen und abrunden; im Zusammenhang damit breiten sie sich mehr in der Fläche aus, während bei den beiden anderen Typen begrenzte und dickere Kolonien auftreten.

DieHeterococcus-Gonidien vonVerrucaria elaeomelaena undV. laevata lassen sich bei Kultur mitHeterococcus caespitosus identifizieren.

Myrmecia pyriformis undMyrmecia reticulata, zwei Protococcalen, die bisher nur aus je einer Flechte bekannt waren, wurden — erstere inDermatocarpon velebiticum, D. rufescens undVerrucaria submersa, letztere inBacidia nanipera — wieder gefunden.

Eine neue Protococoale,Chlorellopsis pyrenoidosa nov. gen., nov. sp., aus zweiLecidea-Arten und einer sterilen Flechte ist u. a. durch Autosporenbildung und Vorhandensein eines stets deutlich sichtbaren Pyrenoides charakterisiert.

In den GattungenLecidea, Dermatocarpon undThelidium wurden je zwei, beiVerrucaria vier Gonidientypen gefunden. Die systematische Stellung der Algen kann in diesen Verwandtschaftskreisen somit nur zur Charakterisierung der Flechten-Arten, keineswegs der Gattungen oder gar der Familien herangezogen werden.

Der Vergleich zwischen den Algen im Flechtenthallus und in Kultur bestätigte in allen Fällen die Tatsache, daß die Zellen im Thallus im Zusammenhang mit geringerer Teilungsfrequenz im allgemeinen größer sind als in gut wachsenden Kulturen und daß ferner die Assimilatspeicherung fehlt oder vermindert ist, dagegen in pilzfreier Kultur gesteigert auftritt.

Auch kennzeichnende Merkmale, wie Fadenbildung und Vermehrung durch Zoosporen, sind im Thallus unterdrückt.

FürEndocarpon pallidum läßt sich feststellen, daß die Keimhyphen auf weite Strecken hin von den Hymenialgonidien angelockt werden.

Heterococcus caespitosus bildet mehrkernige Keimlinge und Fadenendzellen.

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