Archiv für Psychiatrie und Nervenkrankheiten

, Volume 183, Issue 1, pp 55–63

Elektrencephalographische Untersuchungen an Psychopathen

Authors

  • Poul Høncke
    • Psychiatrischen Klinik der Universität Aarhus
  • Erik Strömgren
    • Psychiatrischen Klinik der Universität Aarhus
  • Vagn Zahle
    • Psychiatrischen Klinik der Universität Aarhus
Elektrencephalogramm und Klinik

DOI: 10.1007/BF01062481

Cite this article as:
Høncke, P., Strömgren, E. & Zahle, V. Arch. F. Psychiatr. U. Z. Neur. (1949) 183: 55. doi:10.1007/BF01062481

Zusammenfassung

  1. 1.

    Das EEG von 115 Psychopathen wurde mit dem EEG von 50 Normalen und 150 Epileptikern verglichen. Leichte Dysrhythmien fanden sich bei Psychopathen wesentlich häufiger (35%) als bei Gesunden (12%). Der Grad der Dysrhythmie war meistens leicht. Schwere Veränderungen wie bei Epileptikern fehlten. Langsame Frequenzen waren ebenfalls häufiger als bei Normalen, die hohen Frequenzen zeigten keine wesentlichen Unterschiede. Psychopathische Frauen zeigten doppelt so häufig Dysrhythmien wie psychopathische Männer.

     
  2. 2.

    Bei Einteilung nach denSchneiderschen Typen zeigte das EEG der stimmungslabilen Psychopathen mit 45% am häufigsten eine Dysrhythmie. Auch unter den geltungsbedürftigen und explosiblen waren mit 35 und 38% viele Dysrhythmien, weniger häufig bei Haltlosen und Sexualpsychopathen. Die anderen Gruppen sind zahlenmäßig zu klein, um eine Differenzierung zu erlauben.

     
  3. 3.

    Die erbbiologische Bedeutung der Dysrhythmie und der epileptoiden Psychopathen wird besprochen. Die Annahme vonLennox undGibbs, daß eine Epilepsie bei genisch bedingter Dysrhythmie durch exogene Noxen hervorgerufen würde, paßt nicht zu den Daten der erbbiologischen Penetranz der Epilepsie.Es ist vielmehr wahrscheinlich, daβ die Epilepsie homozygote Wirkung eines dominanten Dysrhythmie-Genes ist. Die Epilepsiehäufigkeit von 0,5% in der Durchschnittsbevölkerung würde bei Zutreffen dieser Hypothese dem bei EEG-Untersuchungen empirisch gefundenen Dysrhythmieanteil von 12% als Heterozygotenhäufigkeit entsprechen. Doch ist es nicht wahrscheinlich, daß jede Dysrhythmie genisch bedingt ist. Die weiteren Untersuchungsziele der klinischen und EEG-Forschung auf dem Gebiete der Psychopathie werden kurz besprochen.

     

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