, Volume 189, Issue 1, pp 59-92

Wahnbildende Psychosen der Zeit des Klimakteriums und der Involution in klinischer und genealogischer Betrachtung

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Zusammenfassung

  1. Über gewisse wahnbildende Psychosen der Zeit des Klimakteriums und der Involution herrscht noch keine diagnostische Übereinstimmung. Die bisherigen Versuche, in ihnen von den großen Formkreisen unabhängige Krankheitsbilder zu sehen, konnten nicht befriedigen. Von den Autoren wurden zahlreiche Krankheitseinheiten gebildet und wieder aufgelöst, von vielen wurden klinische und hereditäre Beziehungen zur Schizophrenie festgestellt, aber auch gewisse Anklänge zum zirkulären Kreis angenommen, ohne daß eine bedingungslose Eingliederung nach einer Richtung erfolgte. In der ersten Zeit der Erkrankung tritt schizophrene Symptomatik oft nicht deutlich in Erscheinung oder es besteht ein unklares Bild, was häufig zu deskriptiver Diagnosenstellung veranlaßt.

  2. Wir haben eine Gruppe von 114 Probanden, die an diesen Psychosen erkrankt waren, klinisch und genealogisch untersucht. Gemäß unseren Fragestellungen kamen wir auf Grund unserer Untersuchungen zu folgenden Ergebnissen:

  1. Die genealogischen Beziehungen dieser Psychosen zur Schizophrenie sind so deutlich ausgeprägt, daß wir für die Mehrzahl der von uns untersuchten Probanden ihre Zugehörigkeit zu der Schizophrenie als erwiesen betrachten. Beziehungen zu senilen Psychosen fehlen.

  2. Schon präpsychotisch unterschieden sich unsere Probanden hinsichtlich prämorbider Persönlichkeit und Heiratshäufigkeit von einer Durchschnittsbevölkerung. Der Beginn zeigt oft kein ganz klares schizophrenes Bild, ausgesprochen schizophrene Symptome treten aber in fast allen Fällen, die lange genug beobachtet werden konnten, wenn auch oft erst nach jahrelangem Verlauf, auf. Konstitutionsmäßig und psychopathologisch ist bei unseren Probanden ein Hereinklingen von Symptomen des zirkulären Kreises feststellbar. Unter den Probanden sind körperbaulich Pykniker gegenüber den entsprechenden Befunden bei den allgemeinen Schizophrenien häufiger vertreten. Aus verschiedenen Anamnesen ergibt sich der Verdacht auf einen abortiven Schub in früheren Jahren.

  3. Den späten Krankheitsbeginn erklären wir uns aus der Beschaffenheit der Familienkonstitution, in der wir — besonders beim weiblichen Geschlecht und auf der mütterlichen Seite — ein bisher bei Schizophrenien ungewohntes Bild vorfanden. Es fanden sich nämlich in der Sippschaft unserer Probanden auffallend viele Elemente des zirkulären Kreises, Von denen wir glauben, daß mit ihnen eine gewisse Resistenz gegen die Manifestation einer schizophrenen Psychose verbunden sein kann. Wir nehmen an, daß diese Resistenz bei unseren Probanden auf dem Erbwege mit der Anlage zur Schizophrenie zusammengetroffen ist. Aus dem Vorhandensein dieser Elemente aus dem zirkulären Konstitutionskreis erklären wir uns auch die oft zunächst oder zeitweise atypische Symptomatik, die manchmal abortiven Bilder sowie eventuell die Häufigkeit des Schizoids in der Verwandtschaft (‚'Manifestationsverhinderte Schizophrene“?).

  4. Die Zeit des Involutionsgeschehens betrachten wir als wichtigen provozierenden und pathoplastischen Faktor und schreiben ihr auch das ‚'typisch Klimakterielle“ zu, das bei vielen Psychosen, besonders deutlich meist zu Beginn, besteht. Zwischen Klimakterium und Erkrankung sind auch zeitlich engere Beziehungen nachzuweisen.