Zeitschrift für vergleichende Physiologie

, Volume 36, Issue 4, pp 391–432

Temperaturregulierung und Wasserhaushalt im Bienenstaat

  • Martin Lindauer
Article

DOI: 10.1007/BF00345028

Cite this article as:
Lindauer, M. Zeitschrift für vergleichende Physiologie (1954) 36: 391. doi:10.1007/BF00345028

Zusammenfassung

  1. 1.

    Auf Überhitzungsgefahr reagieren die Bienen mit folgenden Gegenmaßnahmen: Auseinanderrücken auf den Waben, Fächeln und schließlich Wassereintragen. Das eingebrachte Wasser wird in kleinsten Portionen im Stock innerhalb und außerhalb der Zellen verspuckt, durch gleichzeitiges Fächeln wird die Wasserverdunstung gefördert und damit eine erhebliche Abkühlung geschaffen.

    Die Wasserverdunstung wird daneben auch noch durch andere Bienen intensiviert, die unter ständigem Rüsselausschlagen Tröpfchen aus ihrem Munde auswürgen und diese mit dem Rüssel filmartig ausziehen. Es wird der Beweis erbracht, daß dieses „Rüsselschlagen“ nicht nur zum Zweck der Temperaturregulierung, sondern auch zum Nektareindicken angewendet wird.

     
  2. 2.

    Die Arbeitsgänge, die zur Temperaturregulierung bei Überhitzung notwendig sind, werden nach dem bekannten Prinzip der Arbeitsteilung ausgeführt. Es bestehen eigene Arbeitsgruppen für das Wassereintragen, das Abnehmen und Verteilen im Stock, für das Wasserspucken und Rüsselschlagen, sowie für das Fächeln. Die einzelnen Gruppen arbeiten harmonisch zusammen; so wird gezeigt, daß ein direkter Zusammenhang besteht zwischen einer Überhitzung und der Tätigkeit der Wassersammler.

     
  3. 3.

    Es wurde der Wasserbedarf eines isolierten Bienenvolkes vom Frühjahr bis zum Herbst Tag für Tag bestimmt. Dabei ergaben sich folgende Beziehungen:

     
  4. a)

    Der Wasserbedarf ist abhängig davon, wieviel offene Brut im Stock vorhanden ist. Je mehr Brut, um so höher der Wasserbedarf.

     
  5. b)

    Der Wasserbedarf richtet sich ferner nach dem jeweiligen Nektarangebot. Er geht bei guter Tracht stark zurück; dies bedeutet, daß in diesem Fall die Bienen ihren Wasserbedarf aus dem eingetragenen — mehr oder weniger wasserhaltigen — Nektar decken.

    Sind die Sammelbienen durch Regen oder Kälte mehrere Tage am Nektar- und Wassereinsammeln verhindert, dann gibt es beider erstbesten Ausflugsmöglichkeit einen verstärkten Ansturm auf die Wassertränke.

     
  6. c)

    Steigt die Außentemperatur über 30° C an, dann wird zusätzlich Wasser auch zur Temperaturregulierung benötigt. Von einem Volk, das in Süditalien starker Hitze ausgesetzt war, zählte ich an heißen Tagen durchschnittlich 100 Wassersammlerinnen.

     
  7. d)

    Die Verständigung der Wagsersammlerinnen über den jeweiligen Wasserbedarf erfolgt über jene Bienen, die im Stock das eingebrachte Wasser abnehmen. Erfolgt die Abnahme sehr rasch und gierig, dann wird mit großem Eifer weitergesammelt und es werden auch durch Tänze Neulinge angeworben; wird das Wasser den Sammlerinnen hingegen sehr langsam und widerstrebend abgenommen, dann wird das Sammeln nach und nach eingestellt.

    In entsprechendem Sinne angewendet, gilt dieses Prinzip in gleicher Weise auch für die Nektarsammler.

    Es wird auch die Frage diskutiert, wodurch wohl die erste Wassersammlerin zum allerersten Ausflug veranlaßt wird. Eine Möglichkeit hierfür wird darin gesehen, daß auch Sammelbienen, bevor sie ihre Tätigkeit aufnehmen, einen auftretenden Wassermangel zu spüren bekommen: die Stockbienen tauschen durch gegenseitiges Anbetteln und Abgeben ihren Honigblaseninhalt ständig untereinander aus und Wassermangel macht sich dann so geltend, daß sämtliche Bienen nur noch hochkonzentrierten Honigmageninhalt besitzen.

     

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© Springer-Verlag 1954

Authors and Affiliations

  • Martin Lindauer
    • 1
  1. 1.Zoologischen Institut der Universität MünchenDeutschland