Archiv für Psychiatrie und Nervenkrankheiten

, Volume 202, Issue 1, pp 75–94

Photogene Epilepsie mit suchtartiger Selbstauslösung kleiner Anfälle und wiederholten Sexualdelikten

  • Robert Ehret
  • Edith Schneider
Article

DOI: 10.1007/BF00342812

Cite this article as:
Ehret, R. & Schneider, E. Archiv für Psychiatrie und Zeitschrift f. d. ges. Neurologie (1961) 202: 75. doi:10.1007/BF00342812

Zusammenfassung

  1. 1.

    Ein Fall photogener Epilepsie mit einem ärztlich beobachteten Verlauf über 32 Jahre wird beschrieben, der in den letzten 20 Jahren eine zunehmende suchtartige aktive Selbstauslösung kleiner Anfälle bei Sonnenlicht betrieb. Nach oft wiederholter Selbstauslösung wurde er gegen Kinder sexuell aggressiv, deshalb mehrfach bestraft und schließlich in Sicherheitsverwahrung einer Anstalt überwiesen. Dort provozierte er weiter aktiv bei jeder Gelegenheit serienweise seine petits maux.

     
  2. 2.

    Die willentliche photogene Anfallsauslösung geschieht vorzugsweise in der Sonne durch Flimmerreize mit der gespreizten Hand. Die photogenen kleinen Anfälle zeigen im EEG Gruppen großer Krampfspitzen und meist polyphasische spikes and waves von 3–5/sec. An Sonnentagen geschieht die Anfallsauslösung in fortlaufenden Serien mehrhundertfach über vielé Stunden. Entsprechende photogene Anfallsauslösung mit den gleichen EEG-Abläufen und sexueller Erregung ist auch passiv durch äußere Flimmerreize möglich.

     
  3. 3.

    Die aktive Anfallsprovokation ist positiv gefühlsgetönt und führt nach längerer Dauer zu Erektion und danach zu wiederholter Masturbation. In dieser durch Anfallsauslösung provozierten sexuellen Erregung wurden früher die Sexualdelikte begangen und während der Internierung weiter versucht. Psychisch ist der Patient völlig auf die Anfallsauslösung und den damit erzielten Lustgewinn eingeengt.

     
  4. 4.

    Die Beziehungen des Falles zu anderen Beobachtungen photogener Epilepsie mit Selbstauslösung und Anfallssucht, zu den elektrischen Selbstreizversuchen bei Tieren und zur Hirnlokalisation der männlichen Genitalfunktion werden besprochen. Ähnliche sexuelle Reizzustände fehlten bei den in der Literatur beschriebenen Fällen von photogener Anfallssucht, wurden aber bei Tieren im Selbstreizversuch beobachtet. Suchtartige Selbstreizung und Erektionen entstehen beim Tier, wenn die Elektroden im vorderen medialen Zwischenhirn unterhalb des Septum liegen und Krampfentladungen im Ammonshorn hervorrufen.

     

Copyright information

© Springer-Verlag 1961

Authors and Affiliations

  • Robert Ehret
    • 1
    • 2
  • Edith Schneider
    • 1
    • 2
  1. 1.Aus dem Psychiatrischen Landeskrankenhaus Reichenau/BodenseeDeutschland
  2. 2.Abteilung für klinische Neurophysiologie der Universität FreiburgDeutschland