, Volume 28, Issue 3, pp 326-352

Über Lautäusserungen und Schallwahrnehmung bei Arthropoden II

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Zusammenfassung

Durch Beobachtung der Aktionspotentiale am Tympanalnerven von Locusta und Decticus lassen sich Einblicke in die Arbeitsweise des Tympanalorgans gewinnen. Die Untersuchungen hatten folgende Ergebnisse:

  1. Die obere Hörgrenze von Locusta und Decticus liegt oberhalb 90000 Hz, also mehr als 2 Oktaven höher als beim Menschen.

  2. Im Ultraschallgebiet liegende Frequenzen kommen im Stridulationsschall der Heuschrecken vor und spielen eine Rolle bei der Richtungswahrnehmung.

  3. Die verschiedenen Möglichkeiten der Richtungswahrnehmung durch die Heuschrecken werden besprochen und die Zeittheorie, die Phasentheorie und die Intensitätstheorie (Schallschattentheorie) werden ausgeschlossen.

  4. Das einzelne Tympanalorgan hat eine ausgesprochene Richtungscharakteristik: Töne, die von außen, d. h. von der Seite, nach der sich die Tympanalspalten öffnen, kommen, werden mit geringerer Lautstärke als Töne aus anderen Richtungen wahrgenommen. An den Grenzen dieses Sektors schlechten Hörvermögens, der einen Winkel von etwa 80° umschließt, gibt es einen „kritischen Bereich“, in dem sich die gehörte Lautstärke bei geringen Drehungen des Gehörorgans sehr stark ändert.

  5. Beim Aufsuchen einer Schallquelle setzt die Heuschrecke die Vorderbeine jeweils so weit nach vorn, bis die gehörte Lautstärke plötzlich stark abnimmt, weil der unempfindlichere Teil des Richtungsdiagramms erreicht wird. Aus den entsprechenden Bewegungen der Vorderbeine resultiert ein Ansteuern der Schallquelle.

  6. Es wird versucht, auf Grund der Ergebnisse der Hörphysiologie von Locusta eine physikalisch unterbaute Vorstellung von der Arbeitsweise des Tympanalorgans vom Locustidentyp zu gewinnen. Es wird vermutet, daß das Tympanalorgan auf den Druckgradienten des Schallfeldes anspricht (Druckgradientempfänger).

  7. Die Wege der Übertragung der Trommelfellbewegungen auf die Sinneszellen der Crista acustica werden untersucht. Operationen am Tympanalorgan zeigen, daß die Mittelwand (Trachealmembran) der Tympanaltrachee eine Rolle bei der Reizverarbeitung und Reizleitung spielt.

Die Untersuchungen wurden mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgeführt, der ich meinen besten Dank ausspreche. Weiterhin stellte die Gesellschaft Naturforschender Freunde in Berlin einen Betrag zur Beschaffung von Apparaten zur Verfügung. Nicht zuletzt muß ich dem Direktor des Zoologischen Institutes der Universität Berlin, Herrn Prof. F. Seidel, für die großzügige Unterstützung meiner Untersuchungen danken.