, Volume 38, Issue 6, pp 521-557

Über die Verständigung bei indischen Bienen

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Zusammenfassung

  1. Rund- und Schwänzeltanz, wie sie v. Frisch für Apis mellifica beschrieben hatte, dienen auch den 3 übrigen Arten der Gattung Apis: Apis indica, Apis florea und Apis dorsata zur Verständigung über die Lage eines bestimmten Zieles.

  2. In der Richtungs- und Entfernungsweisung durch diese Tänze zeigen sich einige artspezifische Unterschiede. Solche sind im wesentlichen.

  1. Apis indica kann den Futterplatz bereits von einer Entfernung von 2 m ab durch gerichtete Schwänzelläufe anzeigen, Apis florea von etwa 5 m ab und Apis dorsata von etwa 3 m ab. Nur unterhalb dieser Entfernungsgrenzen beobachtet man Rundtänze bzw. den Übergang von Sichel- zu Rundtanz.

  2. Die Richtungsweisung im Schwänzeltanz erfolgt bei Apis indica und Apis dorsata genauso wie bei Apis mellifica auf der vertikalen Wabenfläche, und zwar wird nach dem gleichen Schlüssel der Winkel zur Sonne auf die Schwerkraft transponiert, wie dies Apis mellifica tut.

  3. Apis florea hingegen kann die Richtung zum Futterplatz nicht auf die Schwerkraft transponieren; sie tanzt oben auf dem First der Wabe, wo sie auf horizontal gelegenem Tanzboden direkt die Richtung zum Ziel weist. Hierzu benötigt sie Ausblick zum Himmel, um sich beim Schwänzellauf in gleicher Richtung zur Sonne einstellen zu können, wie beim Flug zum Futterplatz. Der Tanz von Apis florea muß demnach als der phylogenetisch ältere innerhalb der Gattung Apis angesehen werden.

  4. In der Entfernungsweisung bestehen bei den genannten 3 indischen Bienenarten die gleichen Beziehungen zum Tanzrhythmus wie bei Apis mellifica: Mit zunehmender Entfernung wird der Rhythmus der sich folgenden Schwänzelläufe immer langsamer und die daraus sich ergebenden Entfernungskurven (vgl. Abb. 3) verlaufen bei allen 4 Arten konform. Die Ausgangswerte sind jedoch für jede Art spezifisch. Besonders bemerkenswert ist, daß das Endstück dieser Entfernungs-kurven sich jeweils der Flugweite der betreffenden Art anpaßt: vor Erreichen der Fluggrenze läuft sie flach, d. h. parallel zur X-Achse aus (Abb. 3). Die Flugweite beträgt bei Apis indica etwa 800 m, bei Apis florea etwa 350 m; jene von Apis dorsata ist noch zu bestimmen.

  5. Es wurde auch ein Vertreter aus einer anderen Gattung (Trigona) auf die Möglichkeit hin geprüft, ob eine Verständigung über aufgefundene Futterquellen besteht. Bei Trigona iridipennis besteht eine solche, jedoch beruht sie nicht auf Tänzen, und ihre Verständigung ist wesentlich primitiver: die Stockbienen erhalten von den erfolgreichen Sammelbienen nur die Nachricht, daß es eine lohnende Futterstelle gibt, und des weiteren wird der Duft dieser Futterquelle mitgeteilt. Es wird jedoch keine Information über die Richtung und Entfernung des Zieles vermittelt. Die Wirkung der Alarmierung ist bei Trigona iridipennis demgemäß wesentlich schwächer als bei den Apis-Arten.

Herrn Prof. K. v. Frisch zum 70. Geburtstag in Dankbarkeit gewidmet.
Mit Unterstützung der Rockefeller Foundation.