Zeitschrift für Zellforschung und Mikroskopische Anatomie

, Volume 45, Issue 4, pp 399–434

Die Verbreitung von Spezialzellen in der Grosshirnrinde verschiedener Säugetiergruppen

Authors

  • Angela Syring
    • Zoologischen Institut der Universität Münster
Article

DOI: 10.1007/BF00338885

Cite this article as:
Syring, A. Zeitschrift für Zellforschung (1957) 45: 399. doi:10.1007/BF00338885

Zusammenfassung

  1. 1.

    Bei Vertretern von Primaten, Carnivoren, Ungulaten, Rodentiern und Insectivoren wurde geprüft, ob in der Großhirnrinde außer den normalen Pyramiden-, Körner- und Spindelzellen noch Spezialzellen auftreten, und wieweit diese auf bestimmte Gebiete beschränkt sind.

     
  2. 2.

    Die von Ngowyang (1932) und de Crinis (1933) beschriebenen Gabel- und Umfassungszellen wurden bei Pavian, Schaf, Hund und Hermelin nebeneinander in den verschiedensten Rindengebieten festgestellt. Beide Zelltypen können bei diesen Tieren infolge der kontinuierlichen Übergänge ihrer Gabelungen als Varianten einer Zellart angesehen werden.

     
  3. 3.

    Im Cortex aller untersuchten Gehirne kommen in sämtlichen Arealen Zirkelzellen vor, so daß diese bezüglich ihrer Verbreitung nicht als Spezialzellen bezeichnet werden können.

     
  4. 4.

    Bei Pavian, Schaf, Hund und Hermelin sind die Riesenpyramidenzellen charakteristisch für das motorische Gebiet; beim Kaninchen war ihr Nachweis nicht sicher und bei den Insectivoren konnten sie gar nicht festgestellt werden. — Die Solitärzellen in der V. Schicht der Area striata wurden nur beim Pavian nachgewiesen.

     
  5. 5.

    Die Riesensternzellen in der Schicht IV b der Area 17 sind im allgemeinen auf die Gehirne der höheren Säuger beschränkt. Besonders deutlich sind sie bei den Affen ausgeprägt. Bei Schaf, Hund, Hermelin und Kaninchen, bei denen der tristriäre Typ der Area striata mehr oder minder vorhanden ist, sind die Sternzellen über die ganze IV. Schicht verstreut. Das Occipitalgebiet der Insectivoren ist nur sehr schlecht entwickelt, Riesensternzellen konnten hier nicht beobachtet werden. Bei Schaf, Igel und Maulwurf wurden im Feld 36 noch kleine Sternzellen aufgefunden, deren Größe die der gewöhnlichen Körnerzellen kaum überschreitet.

     
  6. 6.

    Die sog. „Farb -und Lichtsinneszellen“ (Henschen 1929) konnten in keinem der untersuchten Gehirne unterschieden werden. Die Zellen der IV. Schicht wurden bezüglich ihrer Größe und Form eingehend verglichen. Es zeigt sich, daß im Temporallappen die gleichen Zellformen und -großen vorkommen wie im Occipitalgebiet.

     
  7. 7.

    Quergestreckte Spindelzellen, die Cajal (1911) als „Hörzellen“ bezeichnete, wurden bei allen Tieren in jedem Rindengebiet beobachtet. Sie nehmen zum Mark hin an Häufigkeit zu und treten insbesondere in der VI. Schicht auf (deutlich vor allem bei Insectivoren).

     
  8. 8.

    In allen vier untersuchten Gehirnen der Insectivoren zeigten viele Ganglienzellen aus den verschiedensten Rindengebieten auffallende spiralig gewundene Zellfortsätze. Ähnliches wurde in schwächerem Maße auch beim Hund beobachtet.

     
  9. 9.

    Alle hier untersuchten Spezialzellen haben wahrscheinlich eine assoziative oder motorische Sonderfunktion. Mit der Spezifität der Sinneswahrnehmungen haben sie offenbar nichts zu tun.

     

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