Chromosoma

, Volume 14, Issue 1, pp 45–110

Geschlechtschromosomen und Geschlechtsbestimmung bei einigen Calliphorinen (Calliphoridae, Diptera)

  • Fritz -Helmut Ullerich
Article

DOI: 10.1007/BF00332610

Cite this article as:
Ullerich, F.H. Chromosoma (1963) 14: 45. doi:10.1007/BF00332610

Zusammenfassung

  1. 1.

    Es werden das Verhalten der Chromosomen in Spermatogenese und Oogonienmitosen sowie die Geschlechtsbestimmungs-Mechanismen folgender Arten der Unterfamilie Calliphorinae (Diptera) untersucht: Chrysomyia albiceps, C. rufifacies, C. megacephala, Lucilia sericata, L. cuprina dorsalis, L. illustris, Cynomyia mortuorum, Calliphora vomitoria, C. erythrocephala und Phormia regina; von Lucilia caesar wurde ausschließlich, bei den anderen Arten ergänzend der Chromosomenbestand der Neuroblasten untersucht.

     
  2. 2.

    Chrysomyia albiceps und C. rufifacies zeichnen sich durch ihre monogene Fortpflanzungsweise aus; alle anderen Arten sind amphogen.

     
  3. 3.

    Monogene und amphogene Calliphorinen besitzen die gleiche Chromosomenzahl (2n=12) sowie strukturell ähnliche Chromosomensätze und zeigen prinzipiell gleiches Chromosomenverhalten.

     
  4. 4.

    Alle Arten weisen neben 5 großen euchromatischen, medio- bis submediokinetischen Chromosomenpaaren 1 Paar partiell oder total heterochromatischer Chromosomen auf, die bei den amphogenen Species mit Ausnahme von Calliphora erythrocephala im ♀ heteromorph (XY) und im ♂ gleich (XX), bei Calliphora erythrocephala und den monogenen Chrysomyia-Arten dagegen in beiden Geschlechtern homomorph sind.

     
  5. 5.

    Die Spermatogenese aller Calliphorinen verläuft achiasmatisch.

     
  6. 6.

    Durch die streng geschlechtsgebundene Vererbung röntgeninduzierter Y-Autosom-Translokationen wird die Geschlechtschromosomennatur der Heterochromosomen von Phormia regina und Lucilia cuprina dorsalis nachgewiesen; alle großen Choromosomen von P. regina weisen einen geschlechtsunabhängigen Erbgang auf.

     
  7. 7.

    Das Y-Chromosom von Phormia regina enthält einen epistatischen ♀-Differentiator; im Y-Translokationsstamm auftretende XXY-Ausnahmetiere sind stets männlich, XO-Ausnahme-Individuen morphologisch normale und fertile ♀♀. Das Vorkommen eines XO- ♀ bei Lucilia cuprina dorsalis bestätigt auch für diese Art die geschlechtsentscheidende Rolle des Y-Chromosoms.

     
  8. 8.

    Die kleinen heterochromatischen Chromosomen von Calliphora erythrocephala haben keine Geschlechtsbestimmungs-Funktion mehr; diese wird von einem großen, morphologisch undifferenzierten Chromosomenpaar ausgeübt.

     
  9. 9.

    Dem XY-Geschlechtsbestimmungs-Mechanismus aller amphogenen Calliphorinen entspricht das 1:1-Verhältnis der Geschlechter in Geschwisterschaften.

     
  10. 10.

    Bei den monogenen Arten Chrysomyia albiceps und C. rufifacies üben die kleinen heterochromatischen Chromosomen ebenfalls keine Geschlechtsbestimmungs-Funktion mehr aus.

     
  11. 11.

    Thelygenie (♀♀-Erzeugung) und Arrhenogenie (♂♂-Erzeugung) sind Eigenschaften der ♀♀; die ♂♂ haben keinen erkennbaren Einfluß auf das Geschlecht der Nachkommenschaft. Die überwiegende Mehrzahl der geprüften Nachkommenschaften thelygener ♀♀ zeigt eine statistisch gesicherte 1:1-Aufspaltung in thelygene und arrhenogene ♀♀.

     
  12. 12.

    Die Monogenie wird mit der Annahme erklärt, daß die thelygenen ♀♀ heterozygot für einen dominanten weiblichen Geschlechtsrealisator (F′) mit prädeterminativer Geschlechtsbestimmungs-Wirkung und die arrhenogenen ♀♀ wie die ♂♂ homozygot für das rezessive Allel (f) sind.

     

Copyright information

© Springer-Verlag 1963

Authors and Affiliations

  • Fritz -Helmut Ullerich
    • 1
    • 2
  1. 1.Zoologischen Institut der Universität GöttingenGöttingen
  2. 2.Abteilung H. BauerMax-Planck-Institut für MeeresbiologieWilhelmshaven-Tübingen