, Volume 3, Issue 2, pp 131-193

Biozönotische untersuchungen über die strandarthropoden im bulgarischen küstenbereich des schwarzen meeres

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Zusammenfassung

  1. Die Darstellung der bulgarischen Strandfauna fusst auf syn\:okologischen Untersuchungen des Verf. 1939–1941 im bulgarischen K\:ustenbereich des Schwarzen Meeres, die vor allem die Bodenfauna des Schwarzen Meeres betrafen (Caspers, 1951 a) und vorliegend durch die Darstellung der Strandfauna erg\:anzt werden (s. ferner Caspers, 1950 a, b, 1951 b\2-d). Die Aufsammlungen erstrecken sich auf das gesamte K\:ustengebiet von der t\:urkischen Grenze bis zur Dobrutscha; bei Mesemvria wurden die Strandd\:unen mit einbezogen; in Varna wurden bei Lichtf\:angen die n\:achtlich fliegenden Insekten festgestellt.

  2. In den meisten Gebieten der bulgarischen K\:uste ist ein \3- meist mit Ger\:oll durchsetzter \3- Sandstrand der Steilk\:uste vorgelagert; in der Dobrutscha \3- am Kap Kaliakra \3- und in S\:udbulgarien Felsk\:uste, Strandentwicklung nur in Buchten; am Kap Emine, in welchem der Balkangebirgszug ins Meer ausl\:auft, ist ein ganz schmaler, reiner Schotterstrand vorhanden.

  3. Die A r t e n l i s t e enth\:alt Angaben \:uber Verbreitung und \:Okologie der einzelnen Arten. Die \l"Nachbarn\rd und \l"Irrg\:aste\rd sind durch einen Stern bezeichnet.

  4. Die einzelnen F a u n e n b e r e i c h e d e s S t r a n d e s werden \:okologisch in ihrem typischen Tierbestand charakterisiert. Die A l g e n \:u b e r z \:u g e auf Steinen in der Sp\:ulzone enthalten zahlreiche Chironomidenlarven; das Schw\:armen von Clunio marinus wurde eingehend beobachtet (s. auch Caspers, 1951 c). Die kennzeichnendsten Bewohner des S p \:u l i c h t s sind Amphipoden (Orchestia u. Talorchestia-Arten), hinzu kommen halobionte K\:afer (Cafius xantholoma, Bembidion varium, Cercyon arenarius, Phaleria bimaculata u.a.), Tangfliegen und die Apterygote Anurida. Ferner ist hier regelm\:assig der dekapode Krebs Pachygrapsus marmoratus zu finden. Ein grosser Teil der Arten ist auch im Gebiet des f e u c h t e n S a n d e s festzustellen. Die Dytisciden Noterus clavicornis und Rhantus pulverosus haben hier beinahe eine \l"terrestrische\rd Lebensweise. Nur in dieser Zone tritt der halobionte Hydrophilide Ochthebius marinus auf. Bei Sosopol und Mesemvria in grosser Zahl zwei Chersodromia-Arten (darunter Ch. curtipennis n. sp. Collin 1951): Fliegen mit reduzierten Fl\:ugeln, die bei Beunruhigung mit grosser Schnelligkeit weglaufen. \3- In der Trockensandzone des hinteren Strandbereiches leben Cicindelen, Ameisen und Spinnen, die aber bis an die Sp\:ulzone auf Raub vordringen; ferner Landasseln. Hinter dem breiten Sandstrand bei Mesemvria erstreckt sich in einer L\:ange von etwa 6 km ein D \:u n e n gel\:ande, dessen Tierwelt dargestellt wird. \3- Der G e r \:o l l s t r a n d am Kap Emine ist sehr arm an Insekten; Spinnen (Tarentula), unter Steinen in der Brandungszone die Assel Tylos latreillei. \3- Die F e l s k \:u s t e n zeigen eine deutliche Zonierung der marinen Fauna: Balanideng\:urtel (Chthamalus stellatus \s+ Spirorbis-R\:ohren), im h\:ochsten Bereich der Spritzzone Littorina neritoides und die Asseln Ligia italica \s+ Halophiloscia; \:uberall h\:aufig Pachygrapsus; im ganz trockenen Felsbereich die Milbe Balaustium bulgariense. In S\:usswassergerinseln der Steilk\:uste in der Varnaer Bucht die Trichoptere Stactobia caspersi n. sp. Ulmer (1951). \3- Die Tierwelt von S \:u s s w a s s e r t e i c h e n und der sie umgebenden Feuchtzone am Strand der Varnaer Bucht wird beschrieben und die Wirkung von eingesp\:ultem Salzwasser festgestellt. \3- Die Darstellung der Faunenbereiche schliesst mit einer Schilderung der \3- h\:aufig in Massen auftretenden \3- I r r g \:a s t e des Strandes. Einige Beobachtungen \:uber Reptilien werden als Anhang gebracht.

  5. In der Schilderung der L e b e n s g e m e i n s c h a f t d e s S t r a n d e s werden die einzelnen Regionen und ihre Faunen abgegrenzt und \:okologisch gegliedert, wonach die b i o t o p e i g e n e n A r t e n und die B e s u c h e r von den Nachbarn und Irrg\:asten zu scheiden sind. Die Individuenzahl ist stark von der Menge des an die K\:uste geworfenen Detritus abh\:angig und entsprechend schwankend.

    Die T i e r w e l t d e s f e u c h t e n S t r a n d e s wird als „U f e r - G e m e i n s c h a f t = P a c h y g r a p s u s - B i o z ö n o s e” gekennzeichnet und nach den entsprechenden Leitformen gegliedert in a) Enteromorpha-Idotea-Zone, b) Brandungsgürtel = Chthamalus-Variation, c) Spritzzone = Littorina-Ligia-Variation, d) Sandstrand = Orchestia-Variation. — Der t r o c k e n e S t r a n d i s t B e s t a n d t e i l e i n e s t e r r e s t r i s c h e n B i o z ö n o s e s y s t e m s, s o d a s s a l s o i n n e r h a l b d e s S t r a n d s t r e i f e n s d i e G r e n z e z w e i e r B i o z ö n o s e n liegt.

  6. Abschliessend werden aufgrund der festgestellten Verteilung der Strandfauna einige tiergeographische Hinweise gegeben. Der am Kap Emine auslaufende Balkangebirgszug scheint f\:ur eine Reihe von Arten eine Sperre darzustellen, vor allem f\:ur die von S\:uden vordringenden mediterranen Elemente.